Umdenken bei börsennotierten Unternehmen
Wenn die Davids den Goliaths trotzen

Bei den mittelständischen Wirtschaftsprüfern zeichnet sich eine Aufbruchstimmung ab. Mehr denn je sehen sie die Möglichkeit, als Alternative zu den Big Four wahrgenommen zu werden. Ihre Hoffnung: Nach den Skandalen, die mit den Namen PwC, Deloitte & Touche, Ernst & Young und KPMG - den "großen Vier" - verknüpft sind, besinnen sich die Unternehmen wieder verstärkt auf die Qualitäten der mittelständischen Prüfer.

Vor dem Bekanntwerden der großen Bilanzskandale herrschte in vielen mittelgroßen Firmen die Ansicht vor, dass nur die Big Four ausreichende Qualität bieten. Mittlerweile gibt es Anzeichen für ein Umdenken. "Wir erleben es inzwischen öfter, dass sich börsennotierte Unternehmen eher einen Mittelständler suchen", sagt Bernd Rödl, Chef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner.

Der Stuttgarter Bodenverleger Uzin Utz mit einem Umsatz von über 100 Mill. Euro ist ein typisches Beispiel. Ein anderes ist die im M-Dax gelistete Douglas Holding oder die Kamps AG, die sich von Susat & Partner prüfen lassen. Inhabergeführte Unternehmen wissen die Qualität der mittelständischen Prüfer, die Betreuung "von Unternehmer zu Unternehmer", offenbar schon länger zu schätzen. Die Ina-Schaeffler-Gruppe, zweitgrößter Wälzlagerhersteller der Welt mit 55 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 7 Mrd. Euro gehört dazu - Abschlussprüfer sind Rödl & Partner.

Der Mittelstand im Prüfergewerbe, das sind rund 2 000 Gesellschaften, die als Abschlussprüfer tätig sind. Ein genaues Ranking existiert nicht. Der Mitarbeiteranzahl nach an der Spitze, aber dennoch wesentlich kleiner als die Big Four stehen BDO Deutsche Warentreuhand und Rödl & Partner mit 1 900 und 1 400 Mitarbeitern. Mit einigem Abstand folgen Warth & Klein, Susat & Partner, Rölfs WP Partner, Dr. Ebner, Dr. Stolz & Partner und Fasselt & Partner, mit jeweils mehreren hundert Mitarbeitern - dank Fusionen und Zukäufen ist die Tendenz steigend.

Die Qualität ihrer Prüfungen ist dabei ebenso hoch wie die der internationalen Prüfungskonzerne. "Die Mittelständler haben jedoch den Vorteil einer großen Verantwortungsnähe zum Prüfungsobjekt und gegenüber dem Mandanten", sagt Rainer Ludewig, Senior von Ludewig + Sozien, Kassel. Anders gesagt: wer das Testat unterschreibt, war im Zweifelsfalle auch selber an der Prüfung beteiligt. Bei den großen Gesellschaften sei diese Verantwortungsnähe nicht gegeben", sagt Ludewig. Die Qualität hängt dort von zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen ab.

Der Trend könnte sich verstärken durch die bald gesetzlich vorgeschriebene Trennung von Beratung und Prüfung bei börsennotierten Firmen. Dadurch könnten Prüfungsmandate für den Mittelstand frei werden, wenn die Großen sich für die lukrativere Beratung entscheiden.

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