Umfrage: Verfolgt von den eigenen Leuten

Umfrage
Verfolgt von den eigenen Leuten

Horst Spitzkopf dürfte schlaflose Nächte haben. Wegen einer Fehleinschätzung, die ihm als Vorstandschef der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden vor fünf Jahren unterlief. Denn deswegen stehen er und seine Ex-Kollegen jetzt vor Gericht, die Bank wirft ihnen „erhebliche Pflichtverletzungen“ vor. Sie fordert von ihnen 250 Millionen Euro Schadensersatz.

Der Vorwurf: Spitzkopf hatte mit steigenden Zinsen gerechnet. Stattdessen sanken sie und die Bank geriet in eine Schieflage. Ob und wie viel die Managerhaftpflicht der Banker – die AIG – am Ende zahlt, steht in den Sternen: Zwar springt eine D&O-Versicherung (Directors & Officers) ein, wenn Top-Manager – Vorstände, Aufsichtsräte und GmbH-Geschäftsführer – zwar schuldhaft handelten, aber eben nicht illegal. Diese Managerhaftpflichtversicherungen schützen Führungskräfte nicht nur vor Inanspruchnahme nach eigenen Fehlern. Jurist Michael Hendricks, D&O-Experte und Chef der gleichnamigen Beratung in Düsseldorf, urteilt: „Es ist keine Versicherung für Hasardeure, sondern sie ist überlebenswichtig. Allein schon, weil Chefs für ihre Leute haften – wegen so genannten Überwachungsverschuldens.“ Wenn Mitarbeiter Schmiergeld nehmen oder Geld unterschlagen. Oder wenn ein Konkurrent wegen Patentrechtsverletzungen klagt. Wie schnell man in die Schusslinie gerät, erfuhr Reinhard Pöllath, selbst ein renommierter Rechtsanwalt, als er Vorstandschef bei Tchibo war und unversehens zwischen die Familienfronten geriet. Joachim Herz warf Pöllath am Ende vor, seinen Geschwistern Günter Herz und Daniela Herz-Schmökel bei der Neuordnung der familiären Gesellschafter zu viel Abfindung – es ging wohl um Milliarden – gezahlt zu haben – und forderte von Pöllath Ersatz.

Sobald ein Manager selbst gegen das Strafrecht verstößt, zahlt die D&O-Versicherung nichts. Dann steht er schnell alleine im Regen, ist von seiner eigenen Firma geschasst und ohne Geld für teure Strafverteidiger und Gutachter. Diese Fälle häufen sich, auch weil Aktionäre mit Argusaugen wachen. Stand früher für den Manager nur sein Job auf dem Spiel, so riskiert er heute Haus und Hof. Deshalb hat das Handelsblatt jetzt zum dritten Mal 1 500 Unternehmen zu ihren D&O-Versicherungen befragt: Was sie kosten, was sie leisten, wer die Beliebteste ist und wie reagiert die Assekuranz, wenn es zum Schwur kommt? War vor einem Jahr die Allianz die Beliebteste, so steht jetzt Weltmarktführer AIG an erster Stelle, gefolgt von Chubb – vor zwei Jahren noch Unbeliebteste – und Allianz. Auf dem vierten Platz steht Gerling gefolgt von ACE und VOV.

Die AIG hat sich neuerdings sehr um ihre Kunden bemüht, so die Insider. Etwa durch Service, indem sie mehr Leute einstellte und diese auf Kundenfreundlichkeit eichte. Gleichzeitig wurden die Versicherer auf breiter Front offensiver, kämpften um Marktanteile und haben ihre Preise gesenkt. „Bei manchen Kunden führte das zu Prämiensenkungen von bis zu 50 Prozent“, berichtet D&O-Experte Hendricks.

Das Umfrageergebnis: Bei jedem dritten Unternehmen sind die Prämien gesunken, bei den meisten stagnieren sie und nur bei zehn Prozent sind sie angestiegen. Hendricks: „Noch mehr Firmen hätten Preissenkungen erreichen können – wenn sie verhandelt hätten.“ Ob die Strategie der Versicherer – mit Prämiensenkungen Kunden zu ködern – auf lange Sicht funktioniert, bleibt dahingestellt. Bei Kunden steht laut Handelsblatt-Umfrage die Deckungsqualität der Police auf Platz eins bei den Kriterien, nach denen sie ihre Versicherer auswählen.

Eine weitere frohe Kunde für die Unternehmen: Nur jeder fünfte Befragte musste sich neue Leistungsausschlüsse gefallen lassen. Zum Vergleich: Im Vorjahr war es noch jeder zweite. Dazu passt, dass die Zahl der Rauswürfe durch die Versicherer drastisch gesunken ist: Auf fünf von 23 Prozent vor zwei Jahren. Die stärkere Serviceorientierung zeigt sich auch darin, wie früh sich D&O-Versicherer mit den Verlängerungen der Verträge befassen: Waren es im Vorjahr noch sechs Wochen vor Vertragsende, so sind es heute acht Wochen.

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