Umsatzeinbruch
Neuer Klöckner-Chef will Kurs halten

Die Rezession lässt den Umsatz schrumpfen und drückt den Duisburger Stahlhändler Klöckner in die roten Zahlen. Trotzdem gibt sich der designierte Konzerchef Gisber Rühl optimistisch. In wenigen Monaten sollen neue Akquisitionen das Wachstum ankurbeln.

DUISBURG. Bei seinem ersten Auftritt als designierter Klöckner-Chef bewegt sich Gisbert Rühl noch hölzern. Die Fotographen müssen ihn vor der Duisburger Zentrale des Stahlhandelskonzerns erst in die richtige Position bugsieren, bis sie ihr Bild im Kasten haben. Erst später im Gebäudeinneren bei der Präsentation der Zahlen für 2008 taut der 50-Jährige auf. Da ist der Finanzvorstand in seinem Element, auch wenn er nach dem Rekordergebnis des vergangenen Jahres für diese Berichtsperiode eine düstere Prognose geben muss.

Klöckner & Co setzt der drastische Nachfrage- und Preiseinbruch für Stahl zu. Nachdem der Konzern bereits im Schlussquartal 2008 in die Verlustzone gerutscht ist, stellt Rühl auch für das laufende Quartal einen Fehlbetrag in Aussicht. Im Gesamtjahr werde der Konzern aber trotz eines deutlichen Umsatzrückgangs einen Gewinn ausweisen, sagte der Wirtschaftsingenieur. Im vergangenen Jahr waren die Erlöse um acht Prozent auf 6,8 Mrd. Euro geklettert.

Dass nun mitten in der Krise der langjährige Vorstandschef Thomas Ludwig seinen Rückzug zum Jahresende bekannt gibt, verunsichert viele Investoren. Im frühen Handel fiel die Aktie um vier Prozent, erholte sich aber im Handelsverlauf. Der Wechsel des Vorstandschefs komme zu einem ungünstigen Zeitpunkt und werfe Fragen auf, sagte Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank.

Ludwig wies Spekulationen über einen unfreiwilligen Abgang zurück. „Mein Rückzug ist rein persönlicher Natur“, sagte der 60-Jährige. „Es ist an der Zeit, einen Generationswechsel einzuleiten.“ Wenn die Krise überwunden sei, werde die Strategie für die kommenden fünf bis zehn Jahre adjustiert. Da er dann nicht mehr an Bord sein werde, sei der Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung. Regulär wäre sein Vertrag im Mai 2011 ausgelaufen.

Im Konzern hieß es, dass Ludwig ursprünglich bereits vor dem Jahresende seinen Posten habe aufgeben wollen und nur wegen der Krise länger bleibe. „Er soll aber die Umsetzung der Sparmaßnahmen durchführen und dann das Unternehmen in Rühls Hände übergeben“, hieß es. Klöcker hat einen rigiden Sparkurs eingeschlagen, der den Abbau von 1 500 der insgesamt 10 000 Arbeitsplätze vorsieht. In diesem Jahr sollen die Kosten damit um rund 100 Mio. Euro gedrückt werden.

Die Einschnitte sind nötig, um die Kreditlinien nicht zu gefährden. Denn übersteigt die Verschuldung den dreifachen operativen Gewinn, dann könnten die Banken einen Kredit über 600 Mio. Euro kündigen. Rühl verhandelt daher mit den Banken neue Kreditkonditionen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir bald zu einer Einigung kommen“, sagte der frühere Berater von Roland Berger. Auch wenn Klöckner die Kredite bei einer Nettoverschuldung von 358 Mio. Euro ad hoc nicht benötigt, könnte der Akquisitionskurs ohne die Fremdmittel nicht fortgesetzt werden. Zukäufe sind wegen der Rezession zwar ausgesetzt, in den kommenden Monaten werde Klöckner aber wieder akquirieren, sagte Rühl. Übernahmen sind ein integraler Bestandteil der Konzernstrategie, da operativ kaum Wachstumssprünge realisierbar sind.

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