Umsatzeinbußen bei US-Unternehmen
Wer das falsche Buch kauft, darf nicht in die USA

Satte viereinhalb Stunden dauerte der Vorab-Check des Gepäcks eines Marketingleiters aus Deutschland, der sich eigentlich mit den übrigen dreizehn Marketingchefs der Konzernabteilungen in Asien und in den Vereinigten Staaten treffen wollte. Doch wegen der umfangreichen Kontrollen wurde die Zeit zu knapp. Das Blitzmeeting im Los Angeles Airporthotel musste ausfallen.

HB DÜSSELDORF. Dass der Besuch der Vereinigten Staaten zeitraubender, aufwendiger, aber auch teurer und unangenehmer geworden ist, erfahren Geschäftsreisende aus aller Welt. Betroffen sind vor allem Geschäftsreisende aus China, Indien und Russland. Deutsche, die einen maschinenlesbaren Ausweis besitzen, brauchen nach wie vor nur ein Visum, wenn sie sich länger als 90 Tage in den USA aufhalten. Allerdings ist das Papier schwerer zu bekommen als früher: Vor dem 11. September 2001 konnte man es kurzfristig per Post beim Generalkonsulat beantragen. Jetzt müssen die Manager persönlich vorsprechen.

Vor allem aber sorgt das rauhe Klima an der Grenze für Irritationen, ermittelte der Verband der deutschen Reisemanager. Er befragte 400 Travel Manager deutscher Unternehmen: Jeder zweite beklagt längere Wartezeiten, Wartende würden aus den Schlangen scheinbar wahllos heraus gegriffen und ausgefragt.

Ein ähnliches Bild ergaben Nachfragen des Geschäftsreiseveranstalters TQ3 Travel Solutions aus Bremen bei den Verantwortlichen von 50 Reisestellen in deutschen Unternehmen. Die Hälfte hat bereits US-Grenz-Probleme erlebt. Drei Viertel der jeweils betreuten Mitarbeiter mussten diverse Sicherheitschecks und teilweise langwierige, nervenaufreibende Interviews mit Einreisebeamten erdulden. Die Folge: Frust bei vielen und empörende Einzelfälle. Zu ihnen gehört der Ingenieur Jakob Trapp. Der Pfälzer, der amerikanische Autokonzerne berät, wurde – ohne dass man ihm einen Grund nannte – am Flughafen festgenommen, verhört und am Ende ins Gefängnis gesteckt. Am nächsten Morgen musste er die USA verlassen und darf auf absehbare Zeit nicht wieder einreisen. Warum weiß er bis heute nicht. „An der Grenze gibt es zu wenig Toleranz, was in einigen Fällen zu Abweisungen führt“, räumt Dierk Müller, Hauptgeschäftsführer der American Chamber of Commerce ein. „Hier würden wir uns mehr Verlässlichkeit und Flexibilität wünschen.“

Doch es sieht nicht so aus, als würde dieser Wunsch in Erfüllung gehen. Die Möglichkeiten, mit kompetenten Beamten im Gespräch Missverständnisse aufzuklären und rasche Lösungen zu finden, wird in Zukunft gegen Null sinken. Die USA planen, die Personenkontrollen bei der Einreise wesentlich zu verschärfen.

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