Umstrittener Regionalflughafen
Fraport-Manager soll Kassel-Calden übernehmen

Von Kairo nach Kassel: Der bisherige Flughafen-Geschäftsführer der ägyptischen Hauptstadt soll offenbar den Regional-Airport in Hessen leiten. Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat des umstrittenen Projekts.
  • 7

Düsseldorf/WiesbadenDer Aufsichtsrat des Flughafens Kassel-Calden hat offenbar schnell einen neuen Geschäftsführer gefunden. Erst am Sonntag hatte der hessische Finanzminister und Calden-Chefaufseher Thomas Schäfer (CDU) Maria Anna Muller vor die Tür gesetzt – nicht einmal ein Jahr nach Eröffnung des Regionalflughafens. Nun soll laut einem Bericht des „Hessischen Rundfunks“ (HR) Ralf Schustereder das umstrittene Projekt übernehmen.

Der Sender beruft sich in seinem Bericht auf Regierungskreise in Hessen. Zuvor hatte bereits die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ über die Personalie berichtet. Schustereder war laut HR bis Februar einer der Geschäftsführer am Flughafen Kairo und arbeitete dort insgesamt zweieinhalb Jahre. Der 49-Jährige war in Kairo für den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport tätig, der bis vor kurzem einen Management-Vertrag mit dem dortigen Airport hatte.

Am Mittwoch tagt in Kassel der Aufsichtsrat des Flughafens Kassel-Calden. Dort soll die Vertragsauflösung mit Muller formal beschlossen werden. Für den Nachmittag haben die Aufseher zu einer Pressekonferenz mit Schäfer und dem Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen geladen.

Ex-Chefin Muller hatte am Sonntag erklärt, sie sei weiter davon überzeugt, dass der Flughafen alle Chancen hat, sich in den kommenden Jahren gut zu entwickeln. „Ich hätte daher gerne meine Aufgabe hier fortgesetzt“, versicherte die erfahrene Airport-Managerin.

Muller hatte im Interview mit Handelsblatt Online im Januar für eine Schonzeit für das Flughafen-Projekt geworben. „Nach der Eröffnung wurde erwartet, dass wie in Frankfurt auf der Nordbahn alle drei Minuten ein großer Flieger ankommt“, sagte Muller. „Das ist natürlich Wahnsinn, wir bauen gerade erst einen Flughafen auf.“

Der Flughafen Kassel-Calden steht seit seinem Start im April vergangenen Jahres wegen hoher Kosten und geringer Auslastung in der Kritik. Der Neubau des Airports sollte ursprünglich 151 Millionen Euro kosten, schlug dann aber mit 271 Millionen Euro zu Buche. Statt der angestrebten 100.000 Passagiere im ersten Jahr flog nur knapp die Hälfte. Gesellschafter sind das Land Hessen sowie die Stadt und der Landkreis Kassel und die Gemeinde Calden.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

Kommentare zu " Umstrittener Regionalflughafen: Fraport-Manager soll Kassel-Calden übernehmen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • nicht nur den hafen schliessen, sondern auch die planer/entscheider wegschliessen.
    Aber ich befürchte die bekommen ehr den karlspreis...

  • "Der oder die Neue hat keine Chance! Auch ein fähiger Manager kann einen toten Gaul nicht reiten! Ziemlich schnell scheint die Nachbesetzung stattfinden zu können! Das wirft neue Fragen auf: War die Demission Müllers von langer Hand doch geplant? Schliesslich steht ja auch das Datum der Aufsichtsratssitzung länger fest. Oder simuliert Aufsichtsrat Schäfer durch die schnelle Besetzung nur Handlungsfähigkeit?
    Ist ihm die Beherrschung des Themas angesichts der erdrückenden Faktenlage des Geisterflughafens entglitten? Er spürt, dass ihm langsam das Wasser schon bis in seine (kurzen) Hosen steigt. Das Wasser könnte einige Aufsichtsratsmitglieder davonschwimmen lassen und dann zu ihrem politischen Ertrinken führen.

    Ein angesehener Flughafenmanager ist kaum zu gewinnen. Er würde seine Karriere ruinieren. Schäfer hat in dieser Not zu einem Trick gegriffen:
    Am Flughafen Frankfurt ist Hessen der grösste Einzelgesellschafter. Man wird hier einen unbekannten Mann nötigen, doch bitte mal in Kassel auszuhelfen. Dabei müssen selbst zweitrangigen Kandidaten noch die dollsten Versprechen gemacht werden, wie man auch an der Gestaltung des Arbeitsvertrags mit Frau Muller ablesen kann. Ein fürstlicher Entlohnungsaufschlag und Rückkehrgarantie inclusive. Das ist dann auch nur der Versuch für Schäfer in Calden Zeit zu gewinnen. Der neue Manager wird sich also auf ein befristetes Gastspiel einlassen. Falls er zu den gleichen unfairen Mitteln wie Frau Muller (Desinformation; leere Versprechen, Halbwahrheiten, Zensieren, etc..) greift, erwartet ihn in Nordhessen und in ganz Deutschland eine gut vorbereitete, wachsame Öffentlichkeit!
    Das Kooptieren eines Managers auf Zeit aus einer Landesbeteiligung garantiert aber immer noch keine Qualität in der Führungsfrage!

    Jörg Ries hat auch nichts bewegt. Im Gegenteil: Er war es sogar, der diese Frau Muller ausgesucht hat. Ab sofort ist das Schicksal Kassel auch das Schicksal von Schäfer! Beide sind dem Untergang geweiht!

  • Sehr richtig!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%