Umwelt-Due-Diligence oft planlos kurz vor Vertragsschluss
Unterschätzte Gefahren aus der Umwelt

Bei der Kaufprüfung von Unternehmen wird das Risiko von Altlasten häufig sträflich vernachlässigt. ABB beispielsweise brachten die falsch eingeschätzten Asbest-Risiken an den Rand der Insolvenz.

Es hätte ein so schönes Geschäft für den schwedisch-schweizerischen Elektrokonzern ABB sein können. Doch die Übernahme der US-Firma Combustion Engineering (CE) 1990 brachte den Investitionsgüterriesen in den vergangenen Jahren an den Rand des Ruins: ABB hatte das Risiko, dass CE in seinen Kühltürmen für Kraftwerke asbesthaltiges Material einsetzte, klar unterschätzt. Schon vor der Übernahme gab es Schadensersatzklagen von Mitarbeitern des amerikanischen Betriebs, die ihre Krebserkrankungen dem asbesthaltigen Isolationsmaterial zuschrieben. In Zürich dachte man, eine dicke Rückstellung zur Besänftigung der Betroffenen reiche aus. Weit gefehlt. Mehr als 100 000 Klagen hagelte es nach dem Zukauf. Zwölf Jahre später übertrafen die Zahlungen an Geschädigte den CE-Buchwert von rund 800 Millionen Euro deutlich.

Das Asbestproblem habe den Konzern insgesamt etwa 2,5 Milliarden Dollar gekostet, resümiert ein Firmensprecher auf Anfrage. Der scheidende Vorstandschef Jürgen Dormann erwartet erst für dieses Jahr wieder schwarze Zahlen.

ABB ist kein Einzelfall. „Viele Unternehmen betreiben Umweltprüfungen bei der Due Diligence zu geplanten Akquisitionen stiefmütterlich und müssen hinterher mit hohen Kosten kämpfen“, kritisiert George Molenkamp, Professor an der Business School der Universität Amsterdam. Eine Befragung von einem Fünftel der 500 größten Aktiengesellschaften Europas bringt dazu mehr ans Licht. In der Studie befragte die Beratungsagentur KPMG diejenigen Konzerne, die jüngst zukauften und zu den beiden höchsten von drei Risikokategorien gehören.

Zwei Drittel der Unternehmen mit dem höchsten Risiko, darunter Chemie-, Automobil- oder Stahlhersteller haben in den vergangenen Jahren Übernahmepläne wegen Umweltproblemen fallen gelassen. Immerhin prüfen 83 Prozent dieser Gesellschaften Umweltfaktoren, während es in der Risikogruppe zwei nur 42 Prozent sind. Trotzdem haben ein Drittel der mit dem höchsten Risiko behafteten Konzerne zentrale Probleme übersehen – mit entsprechenden finanziellen Konsequenzen.

Da erwirbt Unternehmen A von Unternehmen B eine Fabrik, die ihr Abwasser in der Kläranlage von B reinigt. Technisch und hinsichtlich der Umweltgenehmigung ist alles paletti. Die Fabrik kann weiter die Kläranlage des alten Eigentümers benutzen. Doch dann baut der Käufer die Fabrik aus. Dafür ist die Kapazität der Kläranlage aber zu klein. Das Nutzungsrecht verfällt und für viele Millionen Euro muss ein Neubau her. Das günstige Geschäft wird zum teuren Abenteuer.

Seite 1:

Unterschätzte Gefahren aus der Umwelt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%