Ungewöhnlicher Staatsdiener
Beamteter Milliardär auf Zeit

Hellgrauer Teppich im Großraumbüro, von Sicherheitsvorkehrungen keine Spur. Noboru Fujishima gebietet über rund 14 Billionen Yen, die er für einen Pensionsfonds verwaltet. Die Heimat des großen Geldes stellt man sich anders vor.

TOKIO. Die Heimat des großen Geldes stellt man sich anders vor. Hellgrauer Teppich im Großraumbüro statt Marmor in hohen Räumen. Von Sicherheitsvorkehrungen keine Spur hier im fünften Stock des Bürogebäudes im quirligen Tokioter Geschäftsviertel Akasaka – in der Zentrale von Chikyoren, der Pensionsfondsvereinigung für lokale Regierungsangestellte und einem der größten Rentenfonds der Welt. Auch wer hier die Agilität des Handelsflurs einer Investmentbank erwartet, wird enttäuscht. Vielmehr könnte dies mit den hellen Grautönen und der leisen Geschäftigkeit an den Schreibtischen auch eine Etage der Tokioter Stadtverwaltung sein.

Chikyoren ist ein Fonds für den Notfall, eine Art Versicherung für die insgesamt 70 Genossenschaftsvereinigungen für lokale Regierungsangestellte, darunter auch die für Polizisten und Lehrer an öffentlichen Schulen. Fast 3,2 Millionen Beschäftigte sind Mitglieder. Dreißig Prozent des jährlichen Anstiegs ihres jeweiligen Rentenfondsvermögens zahlen die 78 Vereinigungen an Chikyoren. Dafür springt der Fonds ein, wenn einer der Vereinigungen das Geld für die derzeit fast 2,2 Millionen Rentenempfänger ausgeht.

Noboru Fujishima ist der Leiter der Fondsmanagementabteilung von Chikyoren. Mehr als 14 Billionen Yen verwalten er und seine Kollegen. Das sind mehr als 100 Milliarden Euro. Mittlerweile liegt die Summe wohl noch etwas höher, denn die Zahl bezieht sich auf das Ende März 2005 abgelaufene Geschäftsjahr – und seither waren die weltweiten Börsen und vor allem die japanische dem Fondsvermögen zuträglich.

Fujishima steuert die hohen Summen von seinem Schreibtisch aus in der abgetrennten Bürozelle auf der linken Seite des Großraumbüros. Bücher und Unterlagen sorgen für die typisch japanische überladene Büroatmosphäre. Daneben ein Extra-Tisch für die Gespräche mit Besuchern und Mitarbeitern. Der 44-Jährige nimmt sich Zeit für Erklärungen, auch wenn die Worte schnell aus dem meist zu einem kleinen Lächeln verzogenen Mund kommen. Dabei wirkt Fujishima mit seinen Pausbacken und dem ernsten und zugleich sanften Blick hinter seiner Brille selbst eher wie ein Verwaltungsbeamter denn ein Herr über so viele Nullen.

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