Uni Mannheim macht Steuersysteme transparent
Ratschläge für deutsche Konzerne im Ausland

Die deutsche Industrie schafft Arbeitsplätze – allerdings zunehmend in Ungarn, der Slowakei oder Polen. Was Gewerkschafter auf die Barrikaden ruft, hat an der Universität Mannheim den Forscherdrang geweckt. Otto Jacobs, Professor an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, untersucht mit seinen Studenten die Steuersysteme der EU-Beitrittsländer. Ein Projekt, das sich lohnt: für deutsche Konzerne, die Studenten und die Europäische Union.

HB DÜSSELDORF. Dass deutsche Konzerne vor allem ihre Produktionsstätten in die östlichen Beitrittsländer der Europäischen Union verlagern, ist alles andere als neu. Dass sie sich das Jahr für Jahr bis zu vier Milliarden Euro kosten lassen, auch nicht. Erst recht nicht, dass sie an den neuen Standorten im Vergleich zu Deutschland nur einen Bruchteil der Steuern zahlen.

Immer schwieriger wird jedoch die Auswahl des richtigen Standorts. Da nicht jedes osteuropäische Land in gleicher Weise in die Taschen der ausländischen Unternehmen greift, werden die einzelnen Steuersysteme an der Universität Mannheim seit rund zwei Jahren unter die Lupe genommen. Konzerne, die den Schritt gen Osten planen, können sich somit schnell einen Überblick über die mitunter komplizierten steuerlichen Systeme machen.

„Als die neuen Beitrittsländer in die EU kamen, war über die steuerliche Situation nur wenig bekannt“, sagt Jacobs. Also verband er das theoretische Wissen aus der Universität mit den praktischen Erfahrungen der Unternehmensberater von Ernst & Young. Die sind seit Jahren in den Ländern aktiv und unterstützen Jacobs bei dem Projekt. „Die Ergebnisse waren dramatisch“, sagt der Wissenschaftler. So lag die Belastung der Konzerne zwischen 50 und 80 Prozent unter den Abgaben in Deutschland. Nicht nur für Konzernstrategen sind derartige Erkenntnisse nützlich. „Auch die EU hatte erstmals wirklich vergleichbare Zahlen“, sagt Jacobs. Vor allem die Frage, ob der Steuerwettbewerb, der auch durch Gelder aus Brüssel verzerrt wird, überhaupt noch gerecht ist, rückte damit in den Vordergrund.

Profitieren konnten auch die Studenten, die an dem Projekt mitwirkten. Andreas Dahlke war vier Jahre lang als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität beschäftigt. Heute schreibt der Diplom-Kaufmann an der „AKAD Wissenschaftliche Hochschule Lahr“ (WHL) seine Doktorarbeit. „Nicht zuletzt durch Kontakte aus der Projektarbeit habe ich diese Stelle bekommen“, sagt der 26-Jährige. Auch andere Studenten seien bei späteren Bewerbungen immer wieder auf das Projekt angesprochen worden.

Die Universität Mannheim wurde 1907 als eine der ersten Hochschulen für Handel in Deutschland gegründet. Im aktuellen Sommersemester sind 4 398 Wirtschafts-Studenten in Mannheim eingeschrieben. Sie werden von 21 Professoren und mehr als 100 wissenschaftlichen Mitarbeitern betreut. Jedes Jahr verlassen rund 450 Absolventen die Uni, die bei Personalern besonders beliebt ist. So belegt die Hochschule in fast allen Umfragen vordere Plätze.

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