Unicef Deutschland
Der Vertrauens-Mann

Es ist einer der angesehensten und einer der profiliertesten Familienunternehmer Deutschlands: Jürgen Heraeus. Jetzt soll der langjährige Chef des gleichnamigen Technologiekonzerns die deutsche Sektion des Kinderhilfswerks Unicef aus der Krise führen.

BERLIN. Eigentlich hat er im Leben schon alles erreicht. Jürgen Heraeus hat die Heraeus-Gruppe zu einem der prosperierendsten deutschen Familienunternehmen gemacht – noch dazu mit Weltruf. Er hat viele Ehrenämter übernommen und sich einen Ruf als Manager erarbeitet, der Ethik und wirtschaftlichen Erfolg miteinander zu vereinbaren weiß. Er trägt das Bundesverdienstkreuz und ist zum „Familienunternehmer des Jahres 2007“ gekürt worden.

Jetzt hat er sich an die Spitze der Spendenorganisation wählen lassen, die in die wohl größte Krise ihrer Geschichte geschlittert ist. Jürgen Heraeus ist seit Freitag vergangener Woche der neue Vorsitzende von Unicef Deutschland. Was bringt einen Mann wie ihn dazu, ausgerechnet diesen Job zu übernehmen?

„Es kann doch nicht sein, dass so eine gute Organisation den Bach runtergeht“, hat sich der 71-Jährige in den vergangenen Wochen immer wieder gedacht. Freunde wie die TV-Moderatorin Nina Ruge, die Unicef unterstützt, und der Verleger Florian Langenscheidt hatten mit ihm über die Probleme bei dem Uno-Kinderhilfswerk gesprochen – über die umstrittenen Beraterhonorare und Provisionen für die Spendenakquise, über die wohl etwas hemdsärmelig vergebenen Aufträge. Heraeus ließ sich die Unicef-Satzung schicken, sprach mit dem Interimsvorsitzenden Reinhard Schlagintweit, und langsam wuchs in ihm das Bedürfnis, bei Unicef mitzuwirken.

Sein Ziel ist es, Unicef Deutschland jetzt wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern. „Und es dahin zu bringen, wo es gewesen ist“, sagte Heraeus. Dazu gehört auch: „Wir wollen alles tun, um das Spendensiegel wieder zu erhalten.“

Das Ansehen der deutschen Sektion des Kinderhilfswerks hat seit November vergangenen Jahres wegen des Skandals um verschwendete Spendengelder enorm gelitten. Die Vorsitzende Heide Simonis sowie Geschäftsführer Dietrich Garlichs haben ihre Ämter aufgegeben. Spendeneinnahmen und die Anzahl der Fördermitglieder sind zurückgegangen.

Mit Heraeus steht nun ein Mann an der Spitze von Unicef Deutschland, der vieles von dem verkörpert, was der Organisation in der Krise gefehlt hat. Er steht für Professionalität, er setzt moralische Maßstäbe, prangert beispielsweise zu hohe Managergehälter an, er spricht über Transparenz und Vertrauen. „Wenn man den Schaden sieht, der entstanden ist, und das, was am Anfang war, dann steht das in keinem Verhältnis“, sagt er. „Wenn man da schneller richtig reagiert hätte, wäre es nicht so weit gekommen.“

Seite 1:

Der Vertrauens-Mann

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%