Unicef-Vorsitzender Schlagintweit
Vom Rentner zum Krisenmanager

Reinhard Schlagintweit, 79, ist eingesprungen, um die Probleme der Kinderhilfsorganisation Unicef zu lösen. Nun prasselt die Kritik auch auf ihn nieder. Und Großspender drohen mit Rückzug.

DÜSSELDORF. Reinhard Schlagintweit mit geschlossenen Augen zuzuhören ist ein Genuss. Seine Stimme eignet sich zum Märchenerzähler. Gesetzt, ein wenig rau, besonnen. Jedes Kind würde sich wünschen, ein solcher Mann wäre der Opa, der ihm abends am Bett Geschichten vorliest.

Seit einigen Tagen wird Schlagintweits Stimme jedoch auf ganz andere Art strapaziert. Ehrenamtliche, Spender, Journalisten – alle wollen Erklärungen haben. Jeden Tag ein neuer Vorwurf, jeden Tag ein neuer Beschwichtigungsversuch. Und Schlagintweit steht als Vorsitzender von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, im Mittelpunkt.

Als Heide Simonis am Wochenende zurücktrat, sprang Ex-Diplomat Schlagintweit sofort ein. Simonis wollte sich nicht länger hinter Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs stellen, gegen den die Staatsanwaltschaft Köln wegen des Anfangsverdachts der Untreue ermittelt.

In der Krise wollte der Vorstand einen Mann an der Spitze des Hilfswerks wissen, der die Strukturen kennt wie kaum ein anderer – Reinhard Schlagintweit. Von 1993 an war er bereits zwölf Jahre lang Vorsitzender von Unicef Deutschland – immer im Ehrenamt. Jetzt soll er das gute Ansehen der Organisation wiederherstellen, das in den vergangenen Wochen arg gelitten hat.

Mit 79 Jahren steht er, der wohl älteste Krisenmanager hierzulande, seit dem Wochenende wieder in der Öffentlichkeit – etwas, das er gar nicht liebt. Schon bei seinem ersten Amtsantritt vor 15 Jahren hatte er davor gewarnt, dass er nicht gerne Pressekonferenzen gebe oder auf Galas gehe. Er wolle für die Sache arbeiten. Nun versucht er also wieder, sich für die armen Kinder der Welt einzusetzen.

Doch für Sacharbeit bleibt im Moment kaum Zeit. Schadensbegrenzung ist angesagt. 10 000 von 200 000 Dauerspendern hat Unicef seit Dezember verloren, die Einnahmen blieben im eigentlich umsatzstärksten letzten Monat des Jahres um 3,5 Millionen Euro hinter den Erwartungen zurück. Nun erwägt mit dem Rabattpunkte-Unternehmen Payback auch noch ein Großsponsor seinen Rückzug. Dessen Geschäftsführer Alexander Rittweger forderte in einer Mail, wie „Spiegel Online“ berichtet, man sei „in großer Sorge“ wegen der mangelnden Fähigkeit im Hause Unicef, „durch eindeutige Worte und Taten Schaden vom bisher untadeligen Unicef-Image abzuwenden“.

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