Unilever
Das Pippi-Langstrumpf-Prinzip

Seit Januar 2009 steht der Niederländer Paul Polman an der Spitze des Konsumgütermultis Unilever - und muss ihn auf Wachstumskurs bringen.

HAMBURG. Die Villa Kunterbunt ist ein Klacks dagegen. Eisdiele im Erdgeschoss, schräge Brücken durchs ganze Gebäude, filzbezogene Lümmelbretter für den Pausenplausch, Gratiskaffeeautomaten, quietschbunte Sessel und eine Dachterrasse mit Blick auf Hafenterminal und Elbe. An guten Tagen schippert die Queen Mary vorbei und sorgt für Furore unter den rund 1 200 Unilever-Mitarbeitern.

Heute ist es Paul Polman, 53, ihr oberster Chef. Er steht im Foyer der brandneuen Konzernzentrale in der Hamburger Hafencity und schleckt ein Eis. Für die Kameras. "Das ist eine neue Ära, die hier startet", sagt er, "das ist das neue Unilever." Neben ihm löffelt Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust aus seinem Schokobecher, wobei ihm ein Klecks am Mundwinkel kleben bleibt, und ergänzt: "Wenn ich nicht schon im Rathaus arbeiten würde, würde ich sagen, das ist der schönste Arbeitsplatz der Stadt."

Viel Pathos, viel Symbolik. Für Paul Polman ist das wichtig. Erst im Januar dieses Jahres wechselte der gebürtige Niederländer offiziell vom Schweizer Konkurrenten Nestlé zu Unilever, um den oft schwerfälligen Hersteller etwa von Langnese-Eis, Knorr-Tütensuppen, Lätta-Margarine und Dove-Duschgel auf Vordermann zu bringen. Bislang scheint die Verjüngungskur anzuschlagen. Unter Polman fand der weltweit drittgrößte Konsumgüterkonzern im zweiten Quartal 2009 überraschend zum Absatzwachstum zurück. Das neue Bürogebäude verleiht seiner Mission zusätzlich ein Gesicht. Und macht es ihm leichter, das Vertrauen seiner Mitarbeiter zu gewinnen.

Die sind durch die Restrukturierungsprogramme von Polmans Vorgängern reichlich verunsichert. Schrumpfen statt wachsen lautete deren Parole. Das Gegenteil ist das erklärte Ziel Polmans. "Ich zeige Respekt für die Unternehmensgeschichte, aber nun ist der richtige Zeitpunkt, um zu wachsen", sagt er. Schließlich müsse das neue Gebäude - der 90 Millionen Euro teure Bau am Elbufer - irgendwie auch abbezahlt werden, ulkte der Chef am Rande des Einweihungszeremoniells. Überhaupt ging es launig zu in "unserem zweiten Zuhause". So hat Deutschland-Statthalter Harry Brouwer den neuen Firmensitz getauft. Den symbolischen Schlüssel nahm Polman aus Brezelteig entgegen.

Für ihn ist es die erste Visite des neuen Gebäudes, nicht aber der deutschen Zentrale, vormals ein 60er-Jahre Hochhaus, Mief in allen Ecken und im Keller eine Kegelbahn. Schon dort versuchte der Konzernchef, seinen Mannen Optimismus einzupflanzen, sprach noch vor Amtsantritt von Erlössteigerung, Umbruch und Aufbruch. Die Mitarbeiter rieben sich die Ohren. Völlig neue Töne gab ihr künftiger Anführer von sich.

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