Unkritische Manager
Schuld sind immer die anderen

Schuld sind immer die anderen, wenn der Umsatz zurückgeht. Nie ist es die Führungskraft selbst. Und alles darf dann als Grund herhalten, und wenn es der 11. September ist.

DÜSSELDORF. Fest steht: Deutsche Unternehmenslenker unterschätzen die Fehler, die sie selbst machen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Ausgleichsbank (DtA). Danach macht jeder zweite Chef die schlaffe Konjunktur für die Schieflage des Unternehmens verantwortlich. Jeder Dritte beklagt säumige Schuldner, ebenso viele schieben der Kredit gebenden Bank oder dem Unternehmensberater die Schuld in die Schuhe. Fazit: Acht von zehn Managern suchen Krisenursachen nicht bei sich und im eigenen Haus.

Die befragten Bankberater, Kammermitarbeiter und Unternehmensberater sehen das ganz anders. „Auffällig ist die große Diskrepanz der Selbst- und Fremdwahrnehmung“, sagt die DtA-Studienautorin Margarita Tchouvakhina. Nur 37 Prozent der Unternehmer sehen in eigenen Fehlern und Versäumnissen Gründe für die Unternehmenskrise, während für 60 Prozent der Externen die Führungsfehler ursächlich seien. Viele Firmenchefs und Manager würden nämlich Krisensymptome ignorieren, bis es zu spät sei.

Wolfgang Liebernickel, Leiter der Grundsatzabteilung beim Bundesverband der Mittelständischen Wirtschaft, bestätigt die Erkenntnisse. Zudem würden „betriebswirtschaftliche Faktoren unterschätzt“, sagt er. Etwa beim Personalmanagement: „Leute werden eingestellt, allein weil die Chemie stimmt – und sind den Aufgaben dann nicht gewachsen.“ Auch zu große Entnahmen aus der Kasse und zu wenig Eigenkapital sind für ihn Kardinalfehler der Unternehmensverantwortlichen. „Wenn auf diesem dünnen Eis Fehler gemacht werden, dann braucht es zum Scheitern nicht viel.“

Im Mittelpunkt der Prozesse steht aber immer der gestaltende Unternehmer und Manager, betont DtA-Expertin Tchouvakhina.. „Krisen entstehen ja nicht aus dem Nichts, sondern bahnen sich an. Warum haben die Betroffenen nicht auf bestimmte Entwicklungen reagiert?“ Ein funktionierendes Mahnwesen sei beispielsweise keine Selbstverständlichkeit bei vielen Befragten gewesen.

Auch Autor Andreas Lindenberg, Pionier der New Economy und Mitgründer der WWL Internet AG, sieht vor allem die Unternehmensmacher in der Verantwortung: „Die schlimmste Lüge ist die, die man an sich selber verübt. Viel zu spät gesteht man sich oft seine eigenen Fehler ein. Dabei wäre ein frühzeitiges Eingestehen für eine schmerzlose und preiswerte Korrektur immens wichtig.“ Die Schuld dann auf externe Faktoren zu schieben, ist zwar menschlich verständlich, aber bei Rettungsversuchen tödlich.

Das Wissen um die mangelhafte Selbstwahrnehmung ist also eine wichtige Feststellung für Manager. „Wer Unternehmen in Krisensituationen betreut, muss zunächst mit den Verantwortlichen Fehleranalysen durchführen, damit auch sie die wahren Krisenursachen akzeptieren“, rät Tchouvakhina.

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