Unruhe beim Discounter
Lidl-Chef Seidel muss gehen

Einschnitt bei Lidl: Der Discounter trennt sich von seinem bisherigen Chef Sven Seidel. Der Manager hatte in den vergangenen Jahren die Expansion vorangetrieben. Jetzt gab es Uneinigkeit über die Strategie.
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NeckarsulmNach Differenzen über die Geschäftsstrategie bei Lidl verlässt der bisherige Vorstandsvorsitzende Sven Seidel (43) den Discounter. Das bisherige Vorstandsmitglied Jesper Hojer (38) übernimmt dessen Aufgaben, wie die Schwarz Gruppe am Dienstag mitteilte, zu der Lidl gehört.

Grund für den Wechsel seien „unterschiedliche strategische Geschäftsauffassungen“. Die Trennung sei einvernehmlich erfolgt. Nachfolger Hojer ist im Lidl-Vorstand bisher für den internationalen Einkauf bei Lidl zuständig.

Seidel hatte im Frühjahr 2014 als Chef angefangen (lesen Sie hier ein Interview von November 2015). Wie die „Heilbronner Stimme“ berichtet, sei Seidel offenbar mit Klaus Gehrig (68) aneinandergeraten. Der Lidl-Aufsichtsratschef und Leiter der Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch die Supermarktkette Kaufland gehört, soll unter anderem mit dem Lidl-Engagement im Handball-Sponsoring unglücklich gewesen sein, das Seidel zur Image-Verbesserung vorangetrieben hatte.

Gehrig hingegen sei ein Vertreter der klassischen Discount-Lehre. Der Start des Online-Vertriebs „Lidl Express“ sei in den vergangenen Monaten mehrfach verschoben worden.

Die Discounterkette ist auf Expansionskurs, zudem will das Unternehmen sein deutsches Filialnetz mit Milliardeninvestitionen in den kommenden Jahren auf Vordermann bringen. Im Geschäftsjahr 2015/16 hatte Lidl ein sattes Umsatzplus von 9,5 Prozent auf 64,6 Milliarden Euro verbucht. Das Lidl-Geschäftsjahr geht bis Ende Februar, jüngere Zahlen gibt es daher noch nicht.

Die Schwarz-Gruppe ist die Nummer drei im deutschen Lebensmitteleinzelhandel nach Edeka und Rewe. Weltweit spielt das Unternehmen vorne mit: Nach einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte ist die Schwarz-Gruppe inzwischen der viertgrößte Handelskonzern der Welt, Aldi liegt auf Platz acht. Kein anderer deutscher Handelskonzern schaffte es unter die Top Ten der auf Zahlen für das Jahr 2015 basierenden Studie.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • "Im Geschäftsjahr 2015/16 hatte Lidl ein sattes Umsatzplus von 9,5 Prozent auf 64,6 Milliarden Euro verbucht. "

    Dem Unternehmen scheint's ja prächtig zu gehen. Wieso und weshalb da nun die Führung ausgetauscht wurde? who cares.
    "Die Schwarz Beteiligungs GmbH, der die Unternehmen Lidl und Kaufland gehören, ist der größte Handelskonzern Europas.

    Die Schwarz-Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2014/2015 einen Umsatz von 79,3 Milliarden Euro und lag damit im Umsatz vor dem Rivalen Metro. Eigentümer der Schwarz Beteiligungs GmbH sind die Dieter-Schwarz-Stiftung gGmbH (99,9 % der Anteile) und die Schwarz Unternehmenstreuhand KG (0,1 % der Anteile); letztere hält 100 % der Stimmrechte."
    https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarz-Gruppe
    Außer für die Stiftungs-Eigner sowie für die ausgetauschten Köpfe in der Führung ist die keine "EILMELDUNG, EILMELDUNG" wert.

    Eine EILMELDUNG könnte man vielleicht für die aktuelle Veröffentlichung der Target2-salden initiieren.
    Die sind aus deutscher Sicht auf einem neuen Allzeithoch.
    Gibt auch ein paar schöne Charts dazu - und könnte dann auch als eine Erklärung dienen, warum Trump den Deutschen "Währungsmanipulation" vorwirft.
    Da die Charts allerdings etwas beunruhigendes aufweisen: mal besser Schwamm drüber...

    Wen es -obwohl es in den Mainstream-Medien keine Nachricht wert ist- dennoch interessiert:
    http://www.querschuesse.de/deutschland-buba-target2-saldo-januar-2017/

    Das ist nicht das postfaktische Zeitalter,
    sondern das Zeitalter der dysfunktionalen Realität.

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