Unteres Preissegment
Schwere Zeiten für Anwaltsketten

Mit Dumpingpreise um die 25 Euro trat juraXX 2003 auf den Markt. Seit einer Woche prüft das Amtsgericht Dortmund nun, ob die Kanzleikette pleite ist. Das Beispiel verdeutlicht, wie schwierig es hier zu Lande ist, im unteren Preissegment nachhaltig Gewinn zu machen. In den USA sind die "legal clinics" dagegen erfolgreich.

GARMISCH. "Anwalt geht auch anders." So lautet der selbstbewusst-provokante Slogan der 2003 gegründeten Kanzleikette juraXX, die mit Dumpingpreisen um die 25 Euro für die anwaltliche Erstberatung von Teilen der Öffentlichkeit als neuer Fielmann der Anwälte gefeiert wurde. Damals dachte wohl keiner der Initiatoren daran, dass der Werbespruch einmal nach hinten losgehen würde. Denn seit letzter Woche prüft das Amtsgericht Dortmund unter dem Aktenzeichen 257 IN 157/05, ob die dort ansässige juraXX Eugen Boss Rechtsanwaltsgesellschaft mbH mit ihren in der Spitze 34 Niederlassungen pleite ist.

Allerdings ist derzeit noch völlig offen, ob das Insolvenzverfahren überhaupt eröffnet wird. Denn bereits im Dezember 2006 hatte ein wohl enttäuschter juraXX-Partner Insolvenzantrag gestellt, der Dortmunder Justizkreisen zufolge zwischenzeitlich abgeschmettert wurde.

Die vermeintliche aktuelle Schieflage bei der Großkanzlei juraXX, die sich mit ihrem grasgrünen Logo in 1A-Lagen deutscher Innenstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern breit gemacht hat, kommt überraschend - zumindest auf den ersten Blick. Denn alle 140 Anwälte hatten juraXX ein Darlehen in Höhe von 50 000 Euro gewährt. Und der CFO von juraXX, Oliver Kupper, erklärte noch im August 2006 in einer E-Mail, die dem Handelsblatt vorliegt: "... Im Jahr 2005 hat die juraXX Eugen Boss Rechtsanwaltsgesellschaft mbH erstmalig mit einem Gewinn von 399 125,27 Euro ein positives Betriebsergebnis ... erwirtschaftet; in der Zwischenbilanz zum 31.07. dieses Jahres weisen wir bereits einen Gewinn von 577 629,98 Euro für das erste Halbjahr 2006 aus ..." Allerdings scheint Kupper mittlerweile nicht mehr der Geschäftsführung von juraXX anzugehören. Sein Name wurde kommentarlos von den Internetseiten gestrichen, obwohl er neben Firmengründer Eugen Boss, gegen den bei der Staatsanwaltschaft Dortmund Strafanzeige wegen Betrug und Konkursverschleppung gestellt wurde, maßgeblich am Aufbau der Kanzleikette beteiligt war.

Keine Frage: Grabenkämpfe innerhalb der Geschäftsführung und die verheerende Presse der letzten Tage haben das Markenimage von juraXX stark ramponiert. 6,5 Mio Euro soll zuletzt der Jahresumsatz betragen haben. Heruntergerechnet auf jeden Anwalt sind das gerade einmal 46 500 Euro. Nach Abzug von Miete, Finanzierungskosten, Sozialbeiträgen, Infrastruktur- sowie Marketingleistungen bleibt da für den einzelnen Anwalt kaum mehr genug zum Leben übrig.

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