Unternehmen
Deutsche Firmen sparen bei Fortbildung

Deutsche Unternehmen sparen bei der beruflichen Weiterbildung. Die Ausgaben für die Qualifizierung von Arbeitnehmern geht zurück, zeigt eine Studie. Andere geben mehr aus: In der Europäischen Union fällt Deutschland zurück.

BERLIN. Bei der beruflichen Weiterbildung hinken deutsche Unternehmen im europäischen Vergleich weiter hinterher. Allen Sonntagsreden vom lebenslangen Lernen zum Trotz ist der Anteil der Firmen, die entsprechende Kurse anbieten, sogar zurückgegangen. Auch die Ausgaben für die Qualifizierung der Arbeitnehmer sind stark gesunken. Das zeigt die dritte europäische Erhebung zur betrieblichen Weiterbildung in der Europäischen Union für das Jahr 2005, die den Vergleich zu 1999 zieht.

Mit Weiterbildung lasse sich die Produktivität deutlich erhöhen, betont das an der Erhebung beteiligte Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Umso unverständlicher sei, dass viele Firmen dieses Feld vernachlässigten. Daher müsse es „darum gehen, Betriebe auf den Nutzen der Weiterbildung aufmerksam zu machen“ und „Anreize dafür zu schaffen, das Angebot (wieder) auszubauen“, heißt es in der Analyse der Ergebnisse.

Die Zahlen stehen in krassem Widerspruch zum „Lissabon-Ziel“, die EU zum erfolgreichsten wissensbasierten Wirtschaftsraum zu machen. Auch die Zielmarke der Bundesregierung, dass sich bis 2015 wenigstens jeder zweite Arbeitnehmer beruflich oder privat weiterbilden soll, ist in Gefahr – obwohl das von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) geplante „Bildungssparen“ mit neuen Krediten und Prämien Anreize setzen soll. Ein Gesetzentwurf fehlt aber noch.

Die betriebliche Weiterbildung ist das Rückgrat des lebenslangen Lernens. In Deutschland wurden im Jahr 2005 aber nur noch 30 von 100 Arbeitnehmern von ihren Unternehmen weitergebildet – 1999 waren es noch 32 Prozent. Im europäischen Vergleich ist das nur ein Platz im Mittelfeld, Länder wie Österreich und Spanien sind mittlerweile an den Deutschen vorbeigezogen.

Aufgeholt haben vor allem die Osteuropäer und einige Staaten in Südeuropa. An der Spitze des Weiterbildungsrankings steht Tschechien, das die Quote innerhalb von sechs Jahren von 42 auf satte 59 Prozent hochkatapultiert hat. Es fehlen allerdings noch Daten – etwa aus Finnland, das bei der Erhebung von 1999 zu den Spitzenreitern zählte.

Insgesamt sind seither zwar die Unterschiede zwischen den europäischen Staaten kleiner geworden. Unter dem Strich sei aber „keine wesentliche Zunahme der Beteiligung an betrieblicher Weiterbildung in Europa zu beobachten“, schreibt das BIBB – obwohl das ein zentrales politisches Ziel der EU-Mitgliedsländer ist.

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