Unternehmen droht Liquiditätsengpass
Agiv-Chef Behne zurückgetreten

Rainer Behne, Vorstandschef des sich in einem akuten Liquiditätsengpass befindenden Hamburger Immobilienkonzerns Agiv Real Estate, hat das Unternehmen verlassen.

HB HAMBURG. Er ist nach Angaben des Unternehmens zurückgetreten. Er sei mit sofortiger Wirkung aus dem Unternehmen ausgeschieden, teilte Agiv am Donnerstagabend mit. Behne hatte am Mittwoch noch gesagt, die Gesellschaft benötige dringend 15 bis 20 Millionen Euro, um einen akuten Liquiditätsengpass zu überwinden.

Dabei hatte sich Behne zuversichtlich gezeigt, noch in diesem Monat neue Investoren zu finden. Aus den Branchenkreisen hieß es aber, vor deren Einstieg müssten Altlasten bereinigt werden. An Agiv ist die ING BHF-Bank mit 13,2 Prozent beteiligt, bei dem Energieversorger EnBW liegen weitere 14,2 Prozent.

Nach Behnes Worten hatte sich eine Investorengruppe herauskristallisiert. Er rechnete binnen weniger Wochen mit einem Abschluss. Voraussetzung für den Einstieg sei allerdings, dass die Agiv ihren Rechtsstreit mit den beiden Großaktionären beilege und einen Abschlag auf Mietgarantien erhalte. Während mit der EnBW eine Einigung möglich erscheine, sei dies mit der ING BHF schwieriger.

Rechtsstreitigkeiten erschweren schnelle Rettung

Hintergrund der Verhandlungen sind Rechtsstreitigkeiten von ING BHF und EnBW mit dem Unternehmen. Beide hatten schon vor der Fusion des früheren Maschinenbaukonzerns Agiv mit der HBAG Real Estate Verkaufsoptionen für ihre Anteile vereinbart. Diese gelten für den Preis von 4,17 Euro je Aktie, der weit über dem aktuellen Aktienkurs liegt. Agiv hält die Optionen seit der Fusion 2002 für nichtig.

Am Donnerstagnachmittag notierte die im Prime Standard an der Frankfurter Börse gelistete Agiv-Aktie mit 1,20 Euro fast fünf Prozent im Minus.

Die Agiv war vor zwei Jahren wegen Wertberichtigungen und Abschreibungen auf Aktien des zusammengebrochenen US-Telekomunternehmens Worldcom mit 134 Millionen Euro tief in die roten Zahlen gerutscht. Geschäftszahlen für 2003 liegen noch nicht vor, da die Wirtschaftsprüfer den Abschluss bislang nicht testierten. Die zwei wichtigsten Gläubigerbanken der Agiv sind die HSH Nordbank und die BayernLB.

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