Unternehmen und gesellschaftliche Verantwortung
Markt für Moralisches

Unternehmen verdienen Geld. Und sollen es gefälligst mit anderen teilen. So sieht - verkürzt - eine beliebte Denkfigur von Propheten der Corporate Social Responsibility (CSR) aus: Weil Profit nämlich moralisch verwerflich ist. Doch für Unternehmen lohnt sich das soziale Engagement auch.

KÖLN. Wenn Unternehmen also Baumschulen im Regenwald finanzieren, Wale vor dem Aussterben retten und HIV-Kliniken in Afrika gründen, tun sie dies zwar mit Hilfe der vorher erwirtschafteten Gewinne. Aber letztlich auch, um sich für diese Rendite zu entschuldigen, vulgo: um der Gesellschaft etwas zurück zu geben.

Viele CSR-Bücher der vergangenen Jahre nahmen die Wirtschaft in diesem Sinne in die Pflicht - doch jetzt mehren sich die Stimmen, die CSR nicht im Widerspruch zum Gewinnstreben sehen, oder als eine Art Knigge des Kapitalismus. Sondern im Gegenteil als vitalen Teil der unternehmerischen Strategie. "Ethik ist nicht als Abzug vom Gewinn zu begreifen", schreibt etwa der Unternehmensberater und Philosoph Ulf Dettmann. "Sondern als Faktor desselben."

Er hat eine Philosophie der Moral zwischen Unternehmen und Gesellschaft verfasst - und begründet CSR eindrucksvoll aus der utilitaristischen Ethik heraus. Unternehmen, so argumentiert Dettmann, haben ein ureigenes Interesse daran, sich moralisch zu verhalten. Weil sie sonst langfristig Gefahr laufen, selbst irgendwann zum Opfer eines Räuber-Kapitalisten zu werden. Weil Menschen einen Sinn für ihr Handeln brauchen, und Mitarbeiter folglich motivierter arbeiten, wenn der Brötchengeber sich für sinnvolle Dinge stark macht.

Dettmann betont natürlich genauso wie andere CSR-Autoren vor ihm, wie sehr es dem Geschäft schadet, wenn Unternehmen moralisch angreifbar werden. "Zwei von drei Verbrauchern achten beim Einkauf auf die sozialen Aktivitäten eines Unternehmens", warnt der Berater. Und Konsumenten spüren genau, wann CSR-Aktionen lediglich für die Öffentlichkeit aufgesetzt werden.

Es macht demnach Sinn, CSR als Teil der Unternehmensstrategie zu verankern und nicht als PR-Feigenblatt: Und tatsächlich gehen immer mehr CSR-Konzepte über reines Sponsoring und Mäzenatentum hinaus. Das zeigt etwa der Band des Arbeitskreises für "Umweltbewusstes Wirtschaften" (Baum) - mit Berichten über Bosch Siemens Hausgeräte, die inzwischen überwiegend energiesparende Waschmaschinen und Kühlschränke verkaufen. Über den Logistiker Hellmann, der die Personalpolitik nach strengen Regeln organisiert. Und Mobilfunker Vodafone, der ausgemusterte Handys entsorgt.

Seite 1:

Markt für Moralisches

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%