Unternehmensberatung
Peter Hartz kann’s nicht lassen

Wer erwartet hatte, dass sich Peter Hartz nach seinem unrühmlichen Abgang als VW-Arbeitsdirektor und der Kritik an den nach ihm benannten Hartz-Gesetzen frustriert zur Ruhe setzt, hat sich getäuscht.

FRANKFURT. Der Mann, bei dessen sprühendem Ideenreichtum „oft nur noch Wegducken half“, wie Ex-Mitarbeiter erzählen, hat sich ein neues Ventil für seinen Schaffensdrang gesucht: Bereits im Januar hat er im Handelsregister eine eigene Firma angemeldet – also nur rund ein halbes Jahr, nachdem er bei VW als politisch Verantwortlicher und mutmaßlicher Beteiligter des Skandals um Bordellbesuche und Spesenmissbrauch gehen musste.

Die „Professor Dr. hc. Peter Hartz GmbH & Co. KG“ bietet Beratungsleistungen zur Unternehmensführung und zum Controlling an. Ein Sprecher der Industrie- und Handelskammer in Saarbrücken bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“. Die Firma residiert im Saarbrücker IT-Park unter der gleichen Adresse wie die SHS Foundation, die Hartz bereits vor Jahren gegründet hat. Die Stiftung („Saarländer helfen Saarländern“) fördert ein weltweites Netzwerk zwischen den Bewohnern des kleinsten deutschen Flächenstaates mit dem Ziel, „ihrem Heimatland neue Ressourcen zu erschließen“.

Die Meldung darüber, dass Peter Hartz ausgerechnet Expertise zum Thema Controlling anbietet, hat Häme ausgelöst. Schließlich gilt er als mitverantwortlich für den Filz bei VW, der den mutmaßlichen Spesenbetrug erst ermöglichte.

Doch selbst Kritiker attestieren dem bald 65-Jährigen einen scharfen analytischen Verstand. Auch seine nach wie vor guten internationalen und politischen Kontakte – Hartz ist überzeugtes SPD- und Gewerkschaftsmitglied – könnten ihn als Berater für Firmen interessant machen. Hartz selbst und auch sein Sohn Michael als Vorstand der SHS Foundation wollten sich dazu am Dienstag nicht äußern.

Sein Neustart als Unternehmer wird überschattet von Ermittlungen. In den kommenden Monaten wird die Braunschweiger Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie gegen Hartz Anklage wegen Untreue oder Begünstigung im Zusammenhang mit der VW-Affäre erhebt. Bei einer Verurteilung droht ihm eine Millionenforderung.

Ein Großteil des Schadens, der dem VW-Konzern durch die Affäre entstanden ist (4,5 Millionen Euro), wird zwar durch eine Management-Haftpflicht-Versicherung abgegolten. Diese wird jedoch versuchen, sich das Geld zurückzuholen.

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