Unternehmensführung
Der Chefsessel als Schleudersitz

Firmenchefs werden im deutschsprachigen Raum häufiger ausgetauscht als sonst auf der Welt: Im letzten Jahr musste jeder sechste Manager seinen Schreibtisch räumen. Generalisten haben die besten Chancen auf die Nachfolge, zeigt die neue Studie einer Strategieberatung.

DÜSSELDORF. Unternehmenslenker im deutschsprachigen Raum werden so schnell ausgewechselt wie nirgends sonst auf der Welt. Jeder sechste musste 2008 seinen Schreibtisch räumen, ein Drittel dieser Abgänge war erzwungen. Allerdings saßen die Chefs etwas fester im Sattel als im Vorjahr - damals hatten so viele Chefs gewechselt wie nie. Mit 48,2 Jahren sind die Neuen im Schnitt deutlich jünger als ihre Vorgänger bei Amtsantritt.

Die Wechselquote der Chief Executive Officers (CEOs) ist in Europa und Nordamerika insgesamt leicht gesunken. Der Grund: "Aufsichtsräte setzen in stürmischen Zeiten zunächst einmal auf Kontinuität an der Unternehmensspitze", beobachtet Stefan Eikelmann, Deutschland-Chef von der Strategieberatung Booz & Company. Da die Krise jetzt erst richtig in der Realwirtschaft ankomme, würden die Wechsel an der Spitze in diesem Jahr in einigen Branchen deutlich häufiger, erwartet Eikelmann.

Als heißer Stuhl erwies sich bereits 2008 - wie zu erwarten - die Finanzindustrie. Hier wurde jeder fünfte Unternehmenslenker weltweit ausgewechselt. Dies zeigt die CEO-Nachfolge-Studie 2008, für die Booz zum achten Mal die 2 500 weltgrößten börsennotierten Unternehmen analysiert hat. Darüber hinaus wurden für den deutschsprachigen Raum die 300 größten börsennotierten Konzerne untersucht. Beide Studien liegen dem Handelsblatt vorab vor.

In Japan stieg die Wechselquote von 10,6 auf 16,9 Prozent eklatant. Sie lag damit fast genauso hoch wie im deutschsprachigen Raum mit 17 Prozent. Hier hatte die Quote im Vorjahr wegen vieler geplanter Nachfolgen mit 19,7 Prozent einen Rekordwert erreicht.

Weltweit traten 361 CEOs ihr Amt neu an (Quote: 14,4 Prozent), darunter nur vier Frauen. Die Hälfte dieser Wechsel war geplant, 15 Prozent auf Akquisitionen zurückzuführen - ein gutes Drittel erzwungen.

Fakt ist: Aufsichtsräte beobachten die Leistungen der CEOs gerade in Krisenzeiten mit Argusaugen. "Wenn die Geschäftsentwicklung nicht überzeugend ist, muss sich der Aufsichtsrat den Anteilseignern erklären. Mit einer Auswechslung des Chefs kann er immerhin belegen, dass er nicht untätig waren", sagt Eikelmann. Für ihn ist das ist dem Sport vergleichbar: Drohe das Saisonziel zu entgleiten - siehe FC Bayern - werde sicherheitshalber der Trainer ausgewechselt, selbst wenn der Neue nicht alles automatisch zum Besseren wenden könne.

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