Unternehmensführung
Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Zuverlässige und motivierte Arbeiter sind eine Grundvoraussetzung für den Erfolg eines Unternehmens. Mit Angst und Druck erreicht man aber meistens das Gegenteil. Mittelständler wie der Edelstahlspezialist Blanco machen es vor: Sie profitieren von wertorientierter Unternehmensführung.

STUTTGART. Direkt neben der Tür zum Chefbüro beim Edelstahlspezialisten Blanco hängen eingerahmte Schwarz-Weiß-Fotografien. "Der kleine Wuschelkopf neben dem Firmengründer Heinrich Blanc, das bin ich", sagt Blanco-Chef Frank Straub. Die Aufnahmen sind über fünfzig Jahre her, die welligen Haare sind Straub geblieben und die Erinnerung an den Großvater. "Von ihm hab ich viel gelernt, er hat mich überall hin mitgenommen und mein Menschenbild geprägt", sagt Straub und erzählt dazu eine Anekdote:

Einst fuhr er im Winter mit seinem Großvater auf der Landstraße nahe dem Firmensitz im schwäbischen Oberderdingen. Da passierte ein Arbeiter von Blanco bitter frierend die Straße. "Sorgen Sie dafür, dass der Mann einen Wintermantel bekommt", ordnete der Firmenpatriarch seinen Fahrer an.

Nun sieht sich Frank Straub nicht als moderner Sankt Martin, aber aus den Erfahrungen mit seinem Großvater resultieren die Wurzeln seines Verständnisses von Ethik in der Wirtschaft: Der Großvater habe aus Überzeugung jeden in der Firma mit Respekt behandelt.

Das sitze auch tief in ihm. "Ich bin ein Philanthrop, für mich sind alle Menschen gleich. Und ich bin fest davon überzeugt, dass man Menschen mit Druck und Angst auf Dauer nicht führen und motivieren kann", betont Straub. Ohne die Menschen an den Maschinen sei doch der Firmenchef ein Niemand. Das werde in Großkonzernen heute häufig vergessen, betont Straub.

Der Blanco-Chef ist einer der vielen mittelständischen Unternehmer in Deutschland, die Ernst machen mit wertorientierter Unternehmensführung. Weder sehen sie sich als Gutmenschen, noch hängen sie sozialromantischen Träumereien nach. Sie versprechen sich dagegen von mehr Ethik auch handfeste wirtschaftliche Vorteile - aus Sicht von Experten ein durchaus realistisches Ziel.

"Wir drücken nicht, wir ziehen", beschreibt Straub die Personalführung bei Blanco. Die Zahlen scheinen ihm Recht zu geben. Das Unternehmen produziert Edelstahlspülen und Medizintechnik, hat 1 700 Beschäftigte und steigerte den Umsatz im vorigen Jahr um sieben Prozent auf 296 Mill. Euro. Straub kommt es auf die ganzheitliche Betrachtung eines Unternehmens an. Deshalb engagiert er sich im Caux Round Table, einem internationalen Netzwerk von Wirtschaftsführern, deren Ziel es ist, in ihren Unternehmen hohe ethische und soziale Standards zu setzen, um so auch den Gefahren der Globalisierung zu begegnen.

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