Unternehmensführung
Nur Zumutungen – und dennoch beliebt

Dieter Zetsches Sohn war völlig aus dem Häuschen, als der 52-jährige Chrysler-Chef ihm von einem gewissen Snoop Doggy Dog erzählte. Der Mann, der bei ihm im Vorstandsbüro einen neuen Chrysler 300 bestellt hatte – in Rap-Reimen auf dem Anrufbeantworter.

HB STUTTGART. Jeder andere hätte die Bestellung an den Vertrieb einfach weitergeleitet, zuständigkeitshalber. Doch Zetsche schaltete prompt und folgte auch der Einladung des Rap-Superstars zum Konzert. Dass sich Zetsche einen Abend mit Gangsta-Rap beschallen ließ, lohnte sich am Ende auch für den Konzern: Snoop und 50 Cent, ebenfalls ein Star-Rapper, ließen das Chrysler-Modell in ihren Musikclips auftreten – kostenlos.

Der Werbeeffekt war enorm, auch bei den Mitarbeitern. Ihr Dieter hatte wieder bewiesen, dass er bereit ist, Ungewöhnliches zu wagen und auf andere zu hören, die es besser wissen. Zetsche gilt in Detroit als Sympathieträger – obwohl er über 30 000 Chrysler-Leute auf die Straße setzte. Ein Phänomen: Der künftige Daimler-Chrysler-Chef bot seinen Mitarbeitern in den USA nichts als Zumutungen, schaffte es aber, gemeinsam mit ihnen die Durststrecke zu überwinden.

Auch Jochen Zeitz entließ bei Puma fast die halbe Belegschaft, verlagerte die Produktion ins Ausland und zählt dennoch in Sachen Führungsstil zur Avantgarde der deutschen Managementelite. Wendelin Wiedeking schaffte bei Porsche 3000 Arbeitsplätze ab, presste die Porsche-Arbeiter in ein rigides Just-in-time-Regime, wird aber seit Jahren schon als Lichtgestalt unter den Managern gefeiert.

Bleibt die Frage: Wie gelingt es eigentlich, 500, 5000 oder gar 50 000 Mitarbeitern eine Strategie zu vermitteln und sie zu mobilisieren? "Den Bauplan für so erfolgreiche Veränderungsprozesse liefert die Bibel", meint Bernhard Fischer-Appelt, der Inhaber einer PR-Agentur in Hamburg und Autor des Buchs "Die Moses-Methode". Seine These: Moses war der erste Change Manager der Geschichte. Bei der 40-jährigen Wüstenwanderung der Israeliten aus Ägypten schaffte es der Prophet, einen Haufen entflohener Sklaven in ein auserwähltes Volk mit Mut und Siegeswillen zu verwandeln. Das Geheimnis: Er gewann die Herzen der Menschen, die ihm folgten.

Viele Manager und ihre Mitarbeiter durchleben heute eine ähnliche Durststrecke. Ohne zu wissen, wo ihr gelobtes Land liegt, müssen sie – so Fischer-Appelt – den Wechsel von der Siedler- zur Wandermentalität schaffen. „Wenn feste Standorte, hergebrachte Hierarchien und Strukturen als Ankerpunkte verschwinden, brauchen Unternehmen starke Führung und stabile Werte umso mehr“, fordert Top-Manager-Coach Stefan Wachtel von Expert Executive Coaching in Frankfurt.

Um diese schwierige Führungsaufgabe zu bewältigen, können Manager viel von Moses lernen, meint Fischer-Appelt. „Trotz der Teilung des Schilfmeers war das Volk fast permanent in Zweifel über den Erfolg der Mission. Moses gelang es dennoch, Wüste und Zweifel zu überwinden, weil er souverän über Symbole kommuniziert.“ Er motivierte die Menschen, appellierte an ihren Stolz und ihren Ehrgeiz, weckte Gefühle und ermutigte seine Leute vor jeder neuen Herausforderung. Hinter dieser Moses-Methode steht ein dreistufiges Prinzip: Personalisierung. Profilierung und Dynamisierung. „Der erste Schritt ist das Einstehen eines Einzelnen für einen Neuanfang“, so Fischer-Appelt. Die Menschen schauen, wenn sie auf Unbekanntes zusteuern, nicht auf Pläne, sondern am liebsten auf eine Person, die direkt zur Lösung führt.

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