Unternehmensgewinne
Großbritannien hängt Deutschland ab

Deutschlands börsennotierte Konzerne sind im europäischen Vergleich nicht besonders profitabel - und auch beim Umsatz nicht gerade spitze. Was Einzelhändler wie Aldi und Lidl anders machen als ihre britischen Konkurrenten.

DüsseldorfGroßbritannien, Frankreich Deutschland - das ist die Reihenfolge, wenn es darum geht, in welchen Ländern heute die meisten der 500 größten börsennotierten europäischen Unternehmen ihren Sitz haben. In England gibt es 90 solcher Großkonzerne, in Frankreich 74, in Deutschland aber nur 57.

Damit hat die größte Volkswirtschaft Europas gegenüber dem Vorjahr an Gewicht verloren -Heidelberger Druck, Porsche (Fusion mit VW), der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf und die Beteiligungsgesellschaft Arques zählen nicht mehr zu den 500 umsatzstärksten Firmen. Gegenüber diesen vier Verlusten gibt es unter den Top 500 nur zwei deutsche Neuzugänge: den Autozulieferer Leoni und den Chemiehändler Brenntag.

Deutschland liegt allerdings nur deshalb im Umsatzranking deutlich hinter Großbritannien und Frankreich zurück, weil viele große und international erfolgreiche deutsche Firmen den Gang an die Börse scheuen. Unter den 50 größten nichtbörsennotierten Unternehmen Europas finden sich 30 deutsche Konzerne. Zählt man die Zahl der größten börsen- und der größten nichtbörsennotierten Firmen zusammen, ergibt sich eine andere Reihenfolge. Zwar liegt Großbritannien immer noch mit 92 Unternehmen in Führung, dicht darauf folgt aber Deutschland mit 87 Konzernen gefolgt von Frankreich mit 79 Firmen. In Deutschlands Einzelhandel beispielsweise dominieren "verschwiegene" Börsenabstinenzler wie Rewe, Aldi, Edeka, Tengelmann und Schlecker. In Großbritannien hingegen sind mit Tesco, Morrison und Sainsbury gleich drei große Einzelhändler an der Börse notiert.

Die britische Stärke im Umsatzranking ist im Übrigen nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass fusionierte Unternehmen wie etwa Glaxo Smithkline und Tui Travel sich London als Hauptsitz ausgesucht haben. Das gilt auch für globale Konzerne, die kaum in Großbritannien präsent sind, beispielsweise die Bergbaukonzerne Rio Tinto, Anglo American, Xstrata und BHP Billiton. Grund für die Wahl der Niederlassung ist die Nähe zur Börse London, dem größten europäischen Aktienmarkt. Denn die Wall Street und die milliardenschweren Fonds blicken, wenn sie nach Europa schauen, vor allem auf London.

Beim aktuelle Ranking der börsennotierten Top 500 zeigt sich, dass im Vergleich zum Vorjahr die Niederlande der größte Gewinner sind. Die Niederlande stellen jetzt 29 Unternehmen unter den Top 500, fünf mehr als vor einem Jahr. So stiegen neben dem Chipausrüster ASML, der seine Umsätze dank der boomenden Industrienachfrage mehr als verdoppelt hat, mit dem Chemiekonzern Lyondell-Basell und dem Chiphersteller NXP zwei Börsenneulinge in die Hitliste auf.

Besonders Lyondell-Basell spiegelt den Boom nach dem größten Wirtschaftseinbruch der Nachkriegsgeschichte eindrucksvoll wider. Auf dem Höhepunkt der Krise 2009 unter der Last von 18 Milliarden Euro Schulden zusammengebrochen, gelang Lyondell-Basell, mit einer großen Produktionsstätte in Köln-Wesseling und nach erfolgreichem Insolvenzverfahren die Kehrtwende. Dank des Booms im Petrochemiegeschäft katapultierte sich der Chemiespezialist mit 31 Milliarden Euro Umsatz von null auf Rang 49. Unter dem Strich verdiente Lyondell-Basell 7,8 Milliarden Euro - mehr als jeder deutsche Konzern.

Trotz des jahrelangen Aufschwungs in Osteuropa beherrschen immer noch die etablierten Industrienationen das Ranking. Unter den Osteuropäern hat nur Russland mit 30 Firmen unter den Top 500 eine starke Position. 22 dieser 30 Unternehmen fördern Öl, Gas oder andere Rohstoffe - oder sie produzieren Strom.

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