Unternehmenskultur
Mit dem Chef an einem Strang ziehen

In den USA sind Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter und Unternehmenserfolg eng verbunden. Der Boss muss Vorbild sein. Und so akzeptieren selbst die Chefs Lohnkürzungen - auch wenn sie hinterher immer noch 200-mal so viel verdienen wie leitende Angestellte.

LOS ANGELES. Bill Gates mischt sich mittags gerne unter seine Belegschaft in der Firmenkantine. Ciscos Chef John Chambers bietet seinen Mitarbeitern über das schwarze Brett Fahrgemeinschaften an, und Apples Steve Jobs liebt es, mit den Angestellten zum Frisbee-Spielen in den Golden Gate Park von San Francisco zu fahren.

Dies alles sind kleine nette Gesten von großen Multi-Milliardären, die für ein angenehmes Unternehmensklima einfach dazugehören. In den USA ist das ganz normal. Der Boss als Vorbild und einer aus dem Team. Kein Einzelkämpfer, der sich absondert, nur noch in Privatfliegern durch die Gegend düst und womöglich Befehle von der Brücke hinunter brüllt.

In einer Zeit, da Management-Skandale, vergoldete Abschiede und eine schleppende Wirtschaft viele Unternehmen immer häufiger in den ökonomischen Abgrund ziehen, ist in den USA die moralische Vorbildfunktion des Chefs wieder wichtig geworden. „Kollegen schauen zum Boss und hoffen, ein Vorbild zu sehen: Jemanden, der den Angestellten das Gefühl gibt, ein Teil des Teams zu sein“, erzählt Paul Lewan, Gründer von Lewan & Associates, einer Technologie-Firma aus Denver im US-Bundesstaat Colorado.

Auch Richard Branson, Gründer und Chef der Virgin Group, ist so jemand: Seine Mitarbeiter verlieren nur selten ein böses Wort über ihn. Weil er sich zum Beispiel nicht scheut, sich zum Clown zu machen und in den ulkigsten Verkleidungen aufzutreten. Welcher deutsche Top-Manager würde sich schon mit Perücke und im Rock – so wie Branson gerade erst in Los Angeles beim Eröffnen seines neuesten Mega Stores – in der Öffentlichkeit präsentieren? Seiner Rolle als Chef tut der Auftritt in der Verkleidung als Axl Rose von Guns N’ Roses zusammen mit einem Dutzend Mitarbeiter offenbar keinen Abbruch, im Gegenteil: Solche Auftritte motivieren Mitarbeiter. Legendär ist auch die Aktion, als Branson einen Prozess wegen geschäftsschädigender Werbung gegen British Airways gewonnen hatte und den Schadenersatz von 560 Millionen Pfund an seine Mitarbeiter verteilte.

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