Unternehmensvermögen
Hürdenlauf im Stiftungsrecht

Das Stiftungswesen gewinnt immer mehr an Bedeutung - und schafft damit gänzlich neue Arbeitsfelder. Bisher ist es zwar noch ein Nischengebiet, das von einer Hand voll renommierter Experten dominiert wird. Doch die Unternehmensstiftungen machen das Geschäft internationaler und bringen endlich Bewegung in den Markt.

KÖLN. Ein gutes Bespiel für diese Entwicklung ist das gemeinnützige Engagement in der Familie Jacobs - und das hat lange Tradition. Die Bremer Kaffeerösterdynastie spendet seit jeher großzügig für wohltätige Zwecke. Herzstück der familiären Gemeinwohlpflege ist die Jacobs Foundation, eine Stiftung zur Verbesserung der Entwicklung junger Menschen. Mit über 50 Mill. Euro hat die Stiftung seit ihrer Gründung im Jahre 1988 zahlreiche Initiativen und Projekte gefördert.

Beweggrund für die Errichtung der Stiftung war jedoch auch das Motiv der Familie, das unternehmerische Vermögen in einer Hand zu halten, bestätigt Christian Jacobs, der Vorsitzende des Stiftungsrats, im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Mit der Stiftung wird eine Zersplitterung des Vermögens der Jacobs an ihren Beteiligungen vermieden. Sämtliche Gewinne der Holding fließen der Stiftung zu, die von der Holding und ihren Beteiligungsunternehmen völlig unabhängig ist", erläutert Jacobs die Struktur seiner Organisation.

So wie die Jacobs handeln viele vermögende Unternehmerfamilien. Bekannte Beispiele sind die Herbert-Quandt-Stiftung, die Krupp-Stiftung oder die Adolf-Würth-Stiftung. Zunehmend engagieren sich auch große Konzerne auf diese Weise. Eigene Stiftungen haben etwa die Deutsche Bank, die Allianz und die Münchener Rück. "Unternehmensstiftungen sind im Kommen", beobachtet Christian Jacobs. Der Mann muss es wissen. Er ist nicht nur Chef der Jacobs Foundation, sondern berät als Partner der internationalen Kanzlei White & Case auch viele familienfremde Stiftungen. "Von großen Wirtschaftskanzleien wird zunehmend entsprechende Expertise erwartet", so Anwalt Jacobs. Für Berater ist der erstmalige Zugang zum zersplitterten Stiftungsrecht jedoch nicht leicht.

Notar Thomas Wachter aus Osterhofen in Bayern beschreibt die derzeitige Situation als "Gemengelage aus Zivilrecht und öffentlichem Recht sowie aus Bundes- und Landesrecht". Da die meisten Stiftungen steuerbegünstigte Zwecke verfolgen, sind zudem die Besonderheiten des Steuer- und Gemeinnützigkeitsrechts zu berücksichtigen. Dort wimmelt es nur so von unbestimmten Rechtsbegriffen. Die Folge: Eine überaus uneinheitliche Praxis der Aufsichts- und Finanzbehörden in den einzelnen Bundesländern. Gefragt sind daher nicht nur fundierte Rechtskenntnisse. Nach Meinung von Thomas Wachter sind Erfahrungswerte mindestens ebenso wichtig. "Ein Buch zu lesen reicht da nicht", sagt der Notar, der ein solches über das Stiftungsrecht geschrieben hat. "Berater sollten die Praxis der zuständigen Aufsichts- und Finanzbehörden gut kennen. Denn deren Auslegung entscheidet über die Anerkennung der Stiftung und ob Steuererleichterungen oder Steuerbefreiungen gelten."

Erfahrung spielt auch bei der Stiftungsgründung, die weitgehend rechtlicher Natur ist, eine wesentliche Rolle. Es gilt, aus den vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten die optimale Lösung für den Mandanten herauszufinden. Seine Motive müssen daher sehr genau erfragt werden. Denn wie bei den Jacobs geht es nicht immer nur um gemeinnützige Zwecke.

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