Unternehmer Charles
Der klamme Prinz

Die englische Queen wird vom Staat bezahlt, ihr Sohn Charles dagegen muss sich sein aufwendiges Leben selbst finanzieren. Doch sein Unternehmerleben läuft seit einiger Zeit nicht gut. Er hat sich mit Immobilien verspekuliert – seine Hilfsprojekte stehen auf dem Spiel.
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Quietschende Spielzeugkatzen bringen seine Königliche Hoheit aus der Fassung. Prinz Charles kichert und wiehert, er kämpft mit den Tränen. Er nestelt ein blütenweißes Taschentuch aus seiner Jackentasche und wischt sich damit übers Gesicht. Einmal, zweimal. Er kann nicht aufhören. Er bekommt einen roten Kopf. Er muss sich die Nase putzen. Er prustet weiter, lacht Tränen – über einen Musiker, der einem eigenartigen Klavier peinigende Geräusche entlockt. Statt auf Tasten spielt er auf Gummikatzen.

Es ist Ende vergangener Woche, seine Königliche Hoheit hat zu einem Gartenfest geladen. Im Clarence House, seiner Londoner Residenz, feiert der ökobewegte Prinz seine neueste Initiative. „Start 2010“ heißt sie und soll Großbritannien grüner machen. Das ist das große Ziel von Charles.

In seinem Garten führen Umweltschutzorganisationen und Prominente wie die Modedesignerin Vivienne Westwood und die Schauspielerin Emma Watson vor, wie das aussehen kann. Sie nähen Einkaufstaschen aus alten Gardinen, stellen Kleidung aus Biobaumwolle vor und zeigen, wie man einen eigenen Gemüsegarten anlegt.

Der Prinz mischt sich unter die Besucher und sagt: „Es sind schon kleine Dinge, die helfen, im Einklang mit der Natur zu leben, die helfen, die Natur für unsere Kinder, Enkel und Urenkel zu bewahren.“

Fehlspekulation gefährdet Planetenrettung

Der Musiker spielt auf einem Katzenklavier, und Charles amüsiert sich bestens. Er ist abgelenkt von seinen Problemen. Keine Rede davon, was die britische Tageszeitung „The Times“ an diesem Tag enthüllt hat: dass der Mann, der den Retter des Planeten gibt, im Moment ein Verlierer ist.

Der Prinz hat sich mit Immobilien verspekuliert. Er hat für 43 Millionen Pfund ein Anwesen gekauft. Und weil er es sich nicht leisten konnte, hat er die Hälfte über einen Kredit finanziert und die Schulden seiner Wohltätigkeitsorganisation aufgebürdet. Jetzt sind womöglich seine sozialen Projekte gefährdet.

Ob er sich weiterhin die Malschule für Kinder leisten kann und die Schulungen für Englisch- und Geschichtslehrer? Ob er noch genug Geld hat, um strukturschwache Regionen zu fördern? Um den Regenwald zu schützen? Die Presseabteilung des Prinzen versucht, die Sorgen zu zerstreuen: Insgesamt seien die hoheitlichen Wohltätigkeitsorganisationen finanziell gesund. Nur zwischenzeitlich habe sich die schwierige wirtschaftliche Lage bemerkbar gemacht.

Tatsächlich hat die Immobilienkrise den Prinzen arg getroffen. Die Grundstücke, die als Sicherheit für den Kredit dienen, haben massiv an Wert verloren. In den Büchern klafft offenbar ein Millionenloch.

Kommentare zu " Unternehmer Charles: Der klamme Prinz"

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  • Wer wie der bRDler mit einer Schwesterwelle-Trulla-aus-der-Uckermark-Obrigkeit gesegnet ist und wer dank Reduktion seiner Geschichte auf die notorischen 12 Jahre nichts mehr haben darf, worauf er stolz sein koennte mag sich an diesem zynisch-haemisch-schadenfrohen Elaborat ueber den Prinzen von Wales ergoetzen. ich kann nichts Schlechtes daran finden, dass jemand versucht, das Verscherbeln wertvollster Kulturgueter ins Ausland zu verhindern. Was haben eigentlich die Superreichen der bRD, all die Quandts, Schickedanz,
    Springers, all die Stars und Sternchen, die Gottschalks und Schmidts und wie sie alle heissen, zu denen der bRDler in Ehrfurcht aufblickt der Gesellschaft an sozial-wohltaetigen Engagement zu bieten?

  • Das sind doch lächerliche beträge, wenn man über die früheren "Prinzen von Wales" durch die Geschichte bescheid weiss. Solche beträge haben die früher nebenbei im Casino verzockt.

  • "...ihr Sohn Charles dagegen muss sich sein aufwendiges Leben selbst finanzieren."

    "Als ältester Sohn der Königin ist er qua Gesetz einer der größten Ländereienbesitzer in Großbritannien."

    "Aus diesen Ländereien erzielt der Prinz den Großteil seines Einkommens und finanziert seine Chauffeure und butler, Köche und Gärtner. Aus Steuergeldern werden nur die offiziellen Reisen des Prinzen und seiner Familie bezahlt und die Unterhaltung seiner Wohnsitze. 1,7 Millionen Pfund hat Charles dafür im vergangenen Jahr aus der Staatskasse bekommen. 17,4 Millionen Pfund hat dagegen sein Herzogtum erwirtschaftet,..."

    Wie war das nochmal in der Überschrift? Selbst finanzieren? Naja, wohl eher alles in den Schoß gelegt bekommen, denn arbeiten. Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt noch Hb lese, die Qualität mancher Artikel ist einfach nur schlecht.

    beste Grüße

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