Unterschiedliche Geschäftskulturen
Schwedische Fettnäpfchen

Schweden haben viele Besonderheiten: Sie sehnen sich nach Konsens und mögen keine Titel. Deutsche Manager unterschätzen dies. Viele sind sich nicht einmal bewusst, dass es zwischen Deutschland und Schweden überhaupt Unterschiede gibt. Fettnäpfchen sind damit vorprogrammiert.

STOCKHOLM. VW-Chef Martin Winterkorn gab sich nahezu übermütig. Im noblen Stockholmer Restaurant "Operaterassen" nahm er den schwedischen Manager Börje Ekholm an seine Seite und legte ihm kumpelhaft die Hand auf die Schulter. Ekholm hatte als Chef der Investor-Holding zuvor ein Scania-Aktienpaket an Volkswagen verkauft, was den Wolfsburgern eine Kontrollmehrheit an dem schwedischen LKW-Bauer bescherte.

Man konnte an Ekholms Gesichtsausdruck sehen, wie unpassend er die Geste des Deutschen empfand. Hier, vor einer Hundertschaft Journalisten. Und jetzt, da sich Investor von einem Kleinod der schwedischen Industrie trennt und er das seinen Landsleuten irgendwie positiv verkaufen muss.

Ein Coach für interkulturelles Training hätte Winterkorn vor dem Fauxpas gewarnt. Doch offenbar hatten sich die Wolfsburger Topmanager wenig über Geschäftsgebaren in Schweden informiert. "Vieles kann in Schweden schiefgehen", sagt Ninni Löwgren von der deutsch-schwedischen Handelskammer in Stockholm. Seit Jahren hält sie interkulturelle Seminare ab, in denen sie die Unterschiede der Geschäftskulturen beschreibt. "Deutschen fehlt oft das Fingerspitzengefühl, wenn sie mit schwedischen Geschäftspartnern zusammentreffen", beobachtet Löwgren. Der etwas zu joviale Umgang zählt dazu.

"Viele deutsche Manager sind sich gar nicht bewusst, dass es zwischen Deutschland und Schweden überhaupt Unterschiede gibt", sagt sie. Grund ist die regionale Nähe: Wenn ein deutsches Unternehmen in Japan oder einem anderen asiatischen Land Geschäfte machen will, haben sich die Vertragspartner meist ausgiebig über die örtlichen Sitten informiert oder gar schulen lassen. Geschäfte mit Schweden - da ist doch das meiste recht ähnlich, lautet die gängige Meinung.

Das stimmt zum Teil, doch es sind die Details, die manchen deutschen Geschäftspartnern das Leben in Schweden unnötig schwermachen. "Viele Schweden sind richtig irritiert über all diese Titel, die man in Deutschland so gerne vorführt", sagt Martin Haag von der Stockholmer Unternehmensberatung Hallvarsson & Halvarsson. Es sei nahezu kontraproduktiv "mit Doktor- oder Dipl.- Ing.-Titeln in Schweden hausieren zu gehen", meint der Experte und glaubt sogar, dass sich seine Landsleute darüber lustig machen.

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