Untersuchung zur Kanzlei-PR
Kleckern – aber kaum Klotzen

Die meisten Kanzleien haben eigene Presseabteilungen. Die von Linklaters, Freshfields, Clifford Chance und Shearman Sterling haben sogar mehr als zehn Mitarbeiter. Wie effizient diese arbeiten, hat das Handelsblatt jetzt zum dritten Mal zusammen mit Mummert Communications und dem Ausschnittdienst Landau Media untersucht.

DÜSSELDORF. Die Kanzlei CMS war die Schnellste. Genau eine Minute vor zwölf am Freitagmittag kam die erste Pressemitteilung in der Handelsblatt-Redaktion an: Die Kanzlei vermeldete, dass sie beim Juve Award 2005 - der Oskar-Verleihung für Anwälte am 27. Oktober - am Vorabend gleich zwei der begehrten Trophäen eingeheimst hatte. Als Kanzlei des Jahres für Arbeitsrecht und als Kanzlei des Jahres für Nachwuchsförderung.

Die nächste Pressemitteilung - sie kam von Linklaters als Kanzlei des Jahres für Steuerrecht - trudelte erst Montagmittags nach 14 Uhr ein, also drei Tage später. Immerhin. Was gar nicht kam, war bemerkenswerterweise eine Nachricht vom Gesamtsieger: Cleary Gottlieb Steen & Hamilton, die Juve-Kanzlei des Jahres geworden war.

Das Beispiel zeigt, wie professionell - oder eben unprofessionell - die Pressearbeit der renommiertesten Top-Kanzleien auch heute noch ist. So eine Meldung, die ein Unternehmen in vergleichbarer Lage, vorbereitet in der Schublade gehabt hätte, wäre gleich früh am Morgen in den Redaktionen gewesen. Die meisten Kanzleien haben eigene Presseabteilungen. Die von Linklaters, Freshfields, Clifford Chance und Shearman Sterling haben sogar mehr als zehn Mitarbeiter.

Wie effizient diese arbeiten, hat das Handelsblatt jetzt zum dritten Mal zusammen mit Mummert Communications und dem Ausschnittdienst Landau Media untersucht. Das Ergebnis: Die meisten Erwähnungen in der Presse hat Clifford Chance mit 175.

Platz Zwei belegt Linklaters mit 171, Platz Drei Freshfields mit 167 gefolgt von Lovells mit 136 und Gleiss Lutz mit 101 Nennungen.

Untersucht wurden die reichweitenstärksten deutschen Presseorgane mit beträchtlichen Auflagen - also die so genannte Publikumspresse - in der Zeit von September 2004 bis August 2005. Hierzu zählen überregionale Tageszeitungen wie "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Süddeutsche Zeitung", "Die Welt", "Frankfurter Rundschau, "Handelsblatt", "Financial Times Deutschland" oder der "Tagesspiegel". Aber auch Magazine und Wochenblätter. wie "Der Spiegel", "Die Zeit", "Focus", "Wirtschaftswoche" oder "Capital".

Fach- und Spezialblätter blieben außen vor, da es um die Publikumswirksamkeit ging und weniger um die Bekanntheit innerhalb der eigenen Branche. Clifford Chance hat damit Linklaters von Platz Eins im Vorjahr verdrängt. Freshfields und Lovells verteidigten ihre Plätze.

Abgestürzt von Platz Fünf auf Platz 13 ist Hengeler - eine der zwei führenden Kanzleien in Deutschland. Auffällig verbessert hat sich dagegen Rödl & Partner von Platz 14 auf Platz Sechs. Ein Grund dafür: Rödl ist die einzige Kanzlei hier zu Lande, die ihren Umsatz vermeldet. Das Recht dazu mussten sich die Nürnberger vor Gericht in der zweiten Instanz erstreiten (Handelsblatt, 17. September 2004). Ein weiterer Grund sind eigens erstellte Studien von Rödl - eine Methode, die sonst oft große Unternehmensberatungen anwenden.

Die Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz zählt ebenfalls zu den Aufsteigern und schaffte erstmals den Sprung unter die Top Ten. Shooting-Star in Sachen Pressearbeit ist jedoch Mayer, Brown, Rowe & Maw, der der Sprung von Rang 32 auf Rang Neun gelang - zumindest in diesem Jahr. Der Grund dafür ist nämlich ein prominenter Name, mit dem sich die Juristen jetzt auf ihrem Briefkopf schmücken dürfen: Der CDU-Politiker Friedrich Merz war im vergangenen November in die Kanzlei eingestiegen, und 85 Prozent der Meldungen über Mayer, Brown galten dem Politiker. Diesen Rang dürften sie im nächsten Jahr kaum halten.

"Insgesamt ist bei den Großkanzleien spürbar, dass die Pressearbeit professioneller wird und - wenn auch nur langsam - zunehmend in den Kanzleien selbst akzeptiert ist", urteilt Jörg Forthmann, Geschäftsführer von Mummert Communications und spezialisiert auf Kanzlei-PR. Und weiter: "Die Untersuchung zeigt, dass die Kanzleien zwar stark auf einzelne Themen und Personen setzen, aber es ist bei niemand mal eine Kampagne erkennbar, mit der vielleicht eine Themenführerschaft errungen werden soll", moniert der PR-Profi. Er beobachtet im Alltag: Es sind immer wieder nur wenige, meist jüngere Juristen, die die Notwendigkeit von PR sehen und mitmachen - eine an den Kanzleizielen orientierte, strategische Pressearbeit ist so allerdings nicht möglich, lautet sein Fazit.

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