Ursula Gather
Die erste Ruhrbaronesse

Eine Professorin rückt an die Spitze der Krupp-Stiftung. Ursula Gather wird Nachfolgerin des verstorbenen Berthold Beitz. Sie muss helfen, den angeschlagenen Stahlkonzern Thyssen-Krupp aus der Krise zu führen.
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EssenNach dem Tod des Patriarchen Berthold Beitz hat die Krupp-Stiftung eine neue Chefin. Die Rektorin der Technischen Universität Dortmund, Ursula Gather, wird neue Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung. Damit wird Gather zur wichtigsten Aktionärsvertreterin beim Industriekonzern Thyssen-Krupp. Die Stiftung hält 25,3 Prozent. Ende Juli war der langjährige Chef der Stiftung, Berthold Beitz, im Alter von 99 Jahren gestorben.

„Dies ist eine große Aufgabe“, sagte Gather nach ihrer Wahl. „Ich übernehme die Verantwortung gern. Die Stiftung ist unabhängig und kann auf ein langes, erfolgreiches Wirken zurückblicken. Dies gilt es fortzusetzen.“ Tatsächlich tritt die 60-jährige Wissenschaftlerin zum 1. Oktober ein schweres Erbe an. Der Stahlkonzern steckt in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Milliardenschwere Fehlinvestitionen in Stahlwerke in Brasilien und in den USA haben Thyssen-Krupp an den Rand des Ruins getrieben. Die Werke fahren weiter Verluste ein, der Verkauf stockt.

Die Nettoschulden betragen 185 Prozent des Eigenkapitals. Die Banken können praktisch jeden Moment die Kreditlinien kappen. Von einer Kapitalerhöhung ist die Rede. Konzernchef Heinrich Hiesinger ködert offenbar Hedgefonds. Die Krupp-Stiftung aber hat keine Mittel, um bei einer Kapitalerhöhung mitzuziehen. Ein Einstieg der RAG-Stiftung stieß beim Management und der Politik auf Ablehnung.

„Mit Frau Professor Gather hat das Kuratorium der Stiftung eine kluge, erfahrene und streitbare Wissenschaftlerin und Wissenschaftsmanagerin zur Vorsitzenden gewählt“, erklärte Hiesinger. „Die Entscheidung des Kuratoriums für eine starke Frau ist eine sehr gute Wahl.“

Die Wahl Gathers kommt überraschend: Die Uni-Rektorin kann keine Erfahrung in der Stahlindustrie vorweisen. Als erste Frau steht sie nun in der Tradition der Ruhrbarone. Die Professorin war im Dezember 2011 in das Kuratorium der Stiftung berufen worden. Beitz und Gather kannten sich aber schon länger. 1987 überreichte Beitz der Wissenschaftlerin den Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Preis für junge Hochschullehrer. Seitdem blieben beide in Kontakt.

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Auch Kraft und Pleitgen im Kuratorium

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  • Frau hin oder her, das dürfte ja wohl inzwischen uninteressant sein. Mangelnde Basiserfahrung und der Umgang mit Ränkespielen könnten Hindernisse werden, die seinerzeit dem wissenschaftlich anerkannten Prof. Lotz bei VW den Hals gebrochen haben. Bleibt nur, ihr "Glückauf" zu wünschen.

  • Eine in der Wirtschaft am schlechtesten angesehenen Unis bringt eine für eines der am schlechtesten wirtschaftenden DAX-Konzerne verantwortliche Person hervor.

    Das geht schief, Frau Professor Wahrscheinlichkeit.

    Ich gebe die Wette auf die TK Aktie nunmehr auf.

  • Ich denke, dass Plagiatsjäger bei dieser Dissertation nicht viel finden werden, nur schon, weil sie sie nicht verstehen. Aber das Thema könnte darauf hindeuten, dass Frau Prof. Gather im Aufsichtsrat eines großen Versicherers deutlich besser aufgehoben wäre als in der Industrie. Mal nicht ausgeschlossen.

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