Urteil
Aleksander Ruzicka: Gefangener seiner Eitelkeit

Der Fall Ruzicka birgt erstklassigen Spielfilmstoff: ein bisschen Branchenskandal, viel Wirtschaftskrimi und dazu ein kräftiger Schuss Politthriller. Vielleicht wird er irgendwann seine Autobiografie schreiben, die Rechte an ein Filmstudio verhökern und mit seiner Geschichte Kasse machen. Vielleicht. Irgendwann.

DÜSSELDORF. Zunächst einmal wird Aleksander Ruzicka die nächsten Jahre hinter Gittern verbringen müssen. Das Landgericht Wiesbaden verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und drei Monaten. Der einstige Paradiesvogel der Werbebranche und schöngeistige Bohemien war von dem Urteil sichtlich geschockt.

Dabei hatte in den vergangenen Wochen nichts darauf hingedeutet, dass der 48-Jährige mit einer milden Strafe davonkommen würde. Im Gegenteil. Prozessbeobachter bescheinigten ihm Uneinsichtigkeit bis zum Schluss, eine Unfähigkeit, die eigene Schuld einzugestehen.

Schuld woran? Der frühere Chef von Deutschlands zweitgrößter Mediaagentur Aegis Media findet seine Geschäftspraktiken allenfalls „kreativ und originell“, keinesfalls aber kriminell. Staatsanwalt Wolf Jördens sieht das anders. Mühsam musste er das komplizierte Firmengeflecht, das Ruzicka mit einigen Mitarbeitern geschaffen hatte, entwirren.

Im Kern geht es darum, dass die Mediamanager, die im Auftrag von Unternehmen Werbezeiten bei TV-Sendern buchen, bei umfangreichen Käufen auch große Rabatte in Form von zusätzlichen Sendeplätzen kassierten. Ruzicka & Co leiteten nach Auffassung des Gerichts die geschenkten Werbezeiten über Scheinfirmen, die so klangvolle Namen wie Emerson FF, Camaco oder Watson trugen, und verkauften sie am Ende wieder an die Werbekunden. So schleusten sie rund 49 Mio. Euro an ihrem Arbeitgeber Aegis Media vorbei – in die eigene Tasche.

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