Urteil des Bundesverfassungsgerichtes
Promi-Partner müssen unter Umständen Fotos hinnehmen

Unbekannte Partner von Prominenten müssen die Veröffentlichung von Fotos dann hinnehmen, wenn sie ihre Beziehung selbst öffentlich gemacht haben. Das hat das Bundesverfassungsgericht im Fall der Freundin von Bernd Tewaag, dem Ex-Mann der Schauspielerin Uschi Glas, entschieden. Die Frau hatte gegen Fotos und Berichte in verschiedenen Zeitschriften geklagt.

HB KARLSRUHE. Die Verfassungsrichter wiesen in einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss ihre Beschwerde zurück und bestätigten ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH). Danach hat die Frau die Berichte über ihre Privatsphäre durch einen öffentlichen Auftritt mit Tewaag bei einer Filmpreisverleihung Anfang 2003 in München teilweise selbst ausgelöst. (Az: 1 BvR 2606/04, 2845/04, 2846/04 u. 2847/04 - Beschluss vom 21. August 2006)

Die zuvor in der Öffentlichkeit völlig unbekannte Betreiberin eines Imbissstandes war erstmals Anfang 2002 wegen ihrer Beziehung zum damaligen Ehemann von Uschi Glas ins Blickfeld der Medien geraten; die Ehe zerbrach einige Zeit später. Mit einer ersten Klage gegen die Berichte hatte sie zunächst Erfolg.

Nachdem Tewaag seine neue Lebensgefährtin - während des Berufungsverfahrens - bei der Filmpreisverleihung einem Boulevardjournalisten vorgestellt und Fotoaufnahmen erlaubt hatte, änderte die Justiz ihre Auffassung. Im Oktober 2004 untersagte der BGH zwar den Abdruck von Aufnahmen eines privaten Spaziergangs, billigte aber ansonsten größtenteils die Berichterstattung.

Nach den Worten der Verfassungsrichter stehen auch Medienberichte mit unterhaltendem Charakter unter dem Schutz der Pressefreiheit. Gehe es den Medien ausschließlich um die Befriedigung der Neugier durch die Ausbreitung von Privatangelegenheiten, müsse dies zwar bei der Abwägung mit dem Persönlichkeitsrecht Betroffener berücksichtigt werden. Allerdings habe die Frau mit ihrem Partner eine von der Presse besonders aufmerksam verfolgte öffentliche Veranstaltung aufgesucht.

Dass der BGH dies als eine freiwillige Mitveranlassung von Medienberichten über ihre Privatsphäre eingestuft habe, sei mit dem Grundgesetz vereinbar, befand eine Kammer des Ersten Senats. Zudem habe der BGH auch die strengen Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zum Schutz der Privatsphäre beachtet.

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