Urteil im Schmiergeld-Prozess
Gribkowsky muss lange hinter Gitter

Gerhard Gribkowsky ist zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der ehemalige Topbanker hatte Schmiergeld von Formel-1-Chef Ecclestone angenommen. Die Staatsanwaltschaft hatte ein noch höheres Strafmaß gefordert.
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MünchenDas Landgericht München I hat das ehemalige Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, am Mittwoch zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Gribkowsky habe beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone 44 Millionen Dollar Schmiergeld kassiert und nicht versteuert, urteilte das Gericht am Mittwoch.

Der ehemalige Spitzenbanker wurde deshalb wegen wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt. Mit dem Strafmaß blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die zehneinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf eine konkrete Strafmaßforderung verzichtet. Der 54-jährige Gribkowsky hatte die Vorwürfe zum Ende des Prozesses selbst eingeräumt.

Oberstaatsanwalt Christoph Rodler sagte in seinem Schlussplädoyer am Mittwoch, dass eine Mitschuld auch bei Ecclestone liege. Gribkowskys Verteidiger machten der Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe, weil sie Ecclestone nicht angeklagt. Aus Angst vor dem mächtigen Formel-1-Boss werde mit zweierlei Maß gemessen.

„Herr Ecclestone spazierte über eine Rennstrecke in Deutschland, als unser Mandant schon in Untersuchungshaft saß“, sagte Anwalt Daniel Amelung. Einen konkreten Strafantrag stellten Gribkowskys Anwälte nicht. Der Angeklagte selbst bedauerte die Taten in seinem Schlusswort. „Heute würde man gerne die Zeit zurückdrehen - aber das geht nun mal nicht“, sagte Gribkowsky.

Gribkowsky hatte im Jahr 2006 als Risikovorstand der BayernLB den Auftrag, die Anteile der Bank an der Formel 1 zu verkaufen. Dabei arbeitete er eng mit Ecclestone zusammen, der die Bank als Eigentümer unbedingt los werden wollte. „Er fühlte sich eingeengt von den Bankern, die nichts verstehen“, sagte Rodler. Um sicherzugehen, dass Gribkowsky den Verkauf in seinem Sinne regele, habe Ecclestone dem Banker aus Bayern einen Beratervertrag bei der Formel 1 und viel Geld versprochen - was Gribkowsky ganz recht war. „Er hatte schon lange die Absicht, die staubige Landesbank zu verlassen.“

Der Glanz der Formel 1 hat Gribkowsky fasziniert. Er sei vom „Virus der Formel 1“ befallen gewesen, sagte sein Anwalt Dirk Petri. Ecclestone habe Gribkowsky mit Charme umschmeichelt und mit Geld verführt. Dieser Versuchung habe Gribkowsky nicht widerstehen können.

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  • ... und das ist gut so.
    Er gründete in Österreich eine Stiftung für krebskranke Kinder. Der wahre Zweck der Stiftung war aber, sein Geld dort zu bunkern und seine Versorgung sicherzustellen.
    Was für eine Ratte !

  • hoffentlich traut sich unserer Rechtssprechung auch mal an jene Politiker ran die den Euro mit seinen ganzen negativen Folgen zu verantworten haben.
    Wortlaut bei der Vereidigung von Regierungsmitgliedern (Schaden vom Deutschen Volk abzuwenden)

  • anstieg der lebensmittelpreise durch spekulation nach 2008 nachdem die spekulationsindustrie sich ne neue aufgabe suchen mussete mit der folge minimal 800000 tausend hungertot in afrika. nochmal minimal! andere untersuchungen sprechen von millionen....nur mal so als beispiel. hab selbst zu viele davon gesehen - is nich schön.
    fazit: die indirekte auswirkung von betrug oder gar verbrechen ist indirekt, aber häufig wesentlich schrecklicher. oder anders: eichmann hat auch nur indirekt gewirkt. ich denke mehr brauchst da nicht mehr zu sagen.
    falls noch fragen dazu kommen: ich schätze hier gern mal ab wie und wieviel das geschäftsgebaren dieses geschäftsnetzwerkes und mannes jeden bayrischen bürger an zukunftschancen kostet. sie wäre wahrscheinlich alles erstaunt.

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