Urteil
Nicht jeder Zuschlag bei Ebay gilt

Auf den Vertragsschluss per E-Mail kann man sich im Zweifel nicht verlassen - und das selbst dann nicht, wenn ein Kunde bei Ebay sein Gebot aus dem geschützten Passwortbereich unter seinem Mitgliedsnamen abgibt.

crz GARMISCH. Der Grund: Das Landgericht (LG) Bonn misst dem Angebot per E-Mail so gut wie keine rechtliche Aussagekraft bei. Es bestehe weder eine Vermutung für die Identität von Teilnehmer und Inhaber des Mitgliedsnamens noch eine Anscheinsvollmacht für ein Handeln unter fremdem Mitgliedsnamen, falls sich die registrierte Person nach dem Zuschlag darauf beruft, ein Dritter habe das Gebot abgegeben. Konsequenz: Wer ganz sicher gehen will, sollte seinen Vertragspartner auch bei Internet-Versteigerungen um schriftliche Bestätigung per normaler Post oder Telefax bitten.

Im Urteilsfall hatte der Kläger einen BMW Startpreis von 49 000 Euro bei ebay angeboten. Kurz darauf wurde unter dem Mitgliedsnamen des späteren Beklagten die Sofort-Kaufen-Option zum Preis von 54 900 Euro ausgelöst. Als der Verkäufer auf Bezahlung pochte, widerrief der Beklagte den Kauf. Begründung: Sein 11-jähriger Sohn habe die E-Mail ohne sein Wissen abgeschickt. Zwar hatte der Vater vor Antritt einer Geschäftsreise das Modemkabel versteckt, Der Filius aber benutzte einfach ein Kabel seiner Playstation. Das Passwort für ebay fand er auf einer Diskette.

Das LG Bonn glaubte dieser Version und stellte klar, dass die Grundsätze des Anscheinsbeweises beim Kauf per E-Mail wegen der Manipulationsgefahren nicht zum Zuge kommen. Damit muss der Verkäufer den Vertragsschluss beweisen.

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