Urteile: Kampf der vemeintlichen Väter

Urteile
Kampf der vemeintlichen Väter

Oft schon haben vermeintliche Väter vor Gericht um klare Verhältnisse gekämpft. Wie Richter urteilen.

Spätes Geständnis

Als ihm zufällig der Mutterpass in die Hände fiel, kamen einem Mann Zweifel. Der Arzt hatte den 4. März als Zeugungstermin eingetragen - und da hatte sich der vermeintliche Vater fern der Heimat in Kalifornien aufgehalten. Der daraufhin angeleierte heimliche Vaterschaftstest bestätigte den Verdacht. Als die Mutter vor Gericht mit dem Testergebnis konfrontiert wurde, räumte sie ein, zur fraglichen Zeit Sex mit einem anderen gehabt zu haben. Das Familiengericht in Idar-Oberstein hielt sich trotzdem an die Vorgaben des Bundesgerichtshofs und entschied: Der heimliche Vaterschaftstest sei "nicht gerichtsverwertbar", der Mann gelte weiter als Vater. Doch das Oberlandesgericht Koblenz schlug sich auf seine Seite (7 UF 457/05). Zwar sei der Test tatsächlich nicht verwertbar, das gelte aber nicht für das durch ihn ausgelöste Geständnis, entschieden die Richter.

Ritterlicher Soldat

Um ihr Ärger mit der Familie zu ersparen, erkannte ein Zeitsoldat das Kind seiner Freundin an, obwohl er wusste, dass es nicht von ihm ist. Von ihrem Versprechen, niemals Unterhalt von ihm zu fordern, wollte die Frau aber Jahre später nichts mehr wissen. Wutentbrannt focht der Soldat die Vaterschaft an. Doch vor dem Oberlandesgericht Zweibrücken scheiterte er auf ganzer Linie (5 UF 112/99). Wer die Vaterschaft offiziell anerkenne, sei selbst schuld. Danach gebe es kein Zurück mehr, selbst wenn der Betroffene nicht der Erzeuger sei.

Vertauschtes Sperma

Ein besonders tragischer Fall beschäftigte jetzt das Amtsgericht München. Nachdem den inzwischen getrennt lebenden Eltern eines behinderten Jungen Blut abgenommen worden war, um einen Spender für den Notfall zu identifizieren, stellten sie fest: Der Vater hatte Blutgruppe null und konnte somit nicht der Erzeuger sein. Also ein Seitensprung? Nein, denn die Frau konnte auf natürlichem Wege nicht schwanger werden. Offenbar hatte der Arzt vor Jahren bei der künstlichen Befruchtung den Spendersamen vertauscht. Unter diesen Umständen gelte der Mann nicht als Vater, entschieden die Münchener Richter. Er ist damit auch nicht mehr unterhaltspflichtig. Die Frau will jetzt womöglich den Arzt verklagen.

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