Urteile
Kinderlärm ist nicht immer zumutbar

Wenn Kinder beim Spielen eine Geräuschkulisse produzieren, müssen dies die Nachbarn meist hinnehmen. Deutsche Gerichte sind in solchen Fällen in der Regel nachsichtig und gestehen dem Nachwuchs zu, sich auszutoben. Allerdings gibt es auch Grenzen, berichtet die LBS-Bausparkasse.

Wenig Nachsicht zeigten beispielsweise Richter vom Oberlandesgericht München. Im Streitfall belauerte ein Halbwüchsiger mit seinen Freunden ständig einen Nachbarn in dessen Erdgeschosswohnung. Die Kinder schauten von draußen in sein Fenster und zogen dabei auch noch unerhörte Grimassen. Das verletze die Privatsphäre des Nachbarn, urteilten die Richter. Der Erziehungsberechtigte muss dafür sorgen, dass der unreife Spross dies unterlasse (Az.: 32 Wx 65/05).

Gegen Ballspiele hatte das Landgericht München II nichts einzuwenden: Als das zweite Mal ein Ball auf seinem Rasen landete, reichte es einem Grundstücksbesitzer. Er wollte den Kindern vor Gericht verbieten lassen, dass sie über den Zaun steigen, um den Ball zu holen und - schlimmer noch: dass sie das Ballspielen ganz unterlassen. Dafür hatten die Richter kein Verständnis. Ballspielen sei generell erlaubt. Allerdings dürfen die Kinder nicht einfach über den Zaun steigen. Sie müssen den Nachbarn dann vielmehr bitten, den Ball wieder herauszurücken (Az.: 5 O 5454/03).

Kein Verständnis hatten Bremer Richter für einen Mann, der forderte, dass der private Spielplatz einer Wohnanlage nur von Kindern dieser Anlage genutzt werden darf. Selbstverständlich dürfe der Nachwuchs auch auswärtige Freunde zum Spielen einladen (OVG Bremen; Az.: 1 BA 49/87).

Im Innenhof und auf dem Garagenplatz dürfen Kinder spielen. Mit diesem Urteil schmetterte das Landgericht München (1 T 14 129/88) die Klage eines Nachbarn ab, der dies dem Nachwuchs verbieten wollte. Der Lärm sei zumutbar. Empört waren die Richter über die Klage, weil die Wohnanlage mit Fördergeldern aus einem Sonderprogramm für Familien mit Kindern errichtet wurde.

Was gar nicht geht: Lärm mit Gegenlärm beantworten: Ein Mann aus Hamburg klopfte immer, wenn es ihm zu laut wurde, mehrere Minuten lang gegen Heizkörper und Heizungsrohr. Die Richter vom Amtsgericht Hamburg untersagten ihm das und rieten ihm: Wenn er sich nicht anders zu helfen wisse, müsse er notfalls vor Gericht ziehen (Az.: 47 C 1789/95).

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