Urteile
Wenn Nachbarn um wilden Wuchs streiten

Wenn Bäume oder Büsche ungehemmt wachsen, sorgt das schnell für böses Blut zwischen Nachbarn.

So auch in einer Eigentümergemeinschaft im Rheinland. Ein Ehepaar hatte verlangt, mehrere Nadelbäume im Garten abzuholzen. Da diese inzwischen das vierstöckige Haus überragten, sei Sonnenbaden auf ihrer Loggia im ersten Stock kaum noch möglich. Doch einige Miteigentümer wollten auf die lieb gewonnenen Bäume nicht verzichten und verweigerten die Zustimmung. Das Oberlandesgericht Köln schlug sich auf ihre Seite (16 Wx 35/06). Die Bäume hätten bereits beim Einzug des Paares 1977 im Garten gestanden, und seither hätten die beiden dem Wachstum untätig zugesehen - selbst nachdem die Hölzer vor mehr als zehn Jahren eine Höhe erreichten, durch die sie Aussicht und Lichteinfall in der ersten Etage störten. Da das Paar nicht binnen "acht bis zehn Jahren" die Abholzung beantragte, sei ihr Anspruch verwirkt, stellten die Richter klar.

Zur Selbsthilfe griff ein von wuchernden Sträuchern und Bäumen genervter Hausbesitzer. Nachdem der Nachbar die Pflanzen nicht wie verlangt binnen einer Woche zurechtgestutzt hatte, schmiss er die Kettensäge an. Doch vor lauter Wut übertrieb er, durch den "unfachmännischen Rückschnitt" verendeten sieben Gehölze, darunter wertvolle Ziersträucher. Das Landgericht Coburg urteilte: Selbsthilfe sei zwar okay, wenn eine gesetzte Frist ignoriert werde. Der Rückschnitt dürfe aber nicht in einen Kahlschlag ausarten. Der Kettensäger müsse seinem Nachbarn Schadensersatz in Höhe von 750 Euro zahlen (32 S 83/06).

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