Urteile: Wer bei Diebstahl in der Bahn zahlen muss

Urteile
Wer bei Diebstahl in der Bahn zahlen muss

Es muss nicht gleich der Mord im Orientexpress sein. Auch Diebstähle im Interregio oder im Intercity enden vor Gericht. So entscheiden die Richter.

Pinkelpause

Ein Saarländer nahm auf einer Bahnreise sein Laptop mit. Als er aufs stille Örtchen musste, verstaute er den Rechner in seinem Koffer. Zurückgekehrt, war zwar der Koffer noch da - aber das Notebook fehlte. Die Reisegepäckversicherung musste für den Schaden von 2 200 Euro nicht aufkommen: Wertgegenstände wie Schmuck, Pelze oder Laptops seien laut Versicherungsbedingungen "in persönlichem Gewahrsam" mitzuführen, so die Richter. Das bedeute, Versicherte müssten immer "die Möglichkeit des sofortigen Zugriffs" haben. Diese Möglichkeit habe während der Pinkelpause aber nicht bestanden. Der Mann hätte den Computer mit aufs WC nehmen müssen (Landgericht Saarbrücken, 13 AS 83/99).

Fahrradtransport

Ein Mountainbiker aus Hannover kehrte mit dem Zug von seinem Sporturlaub in Baden zurück. Das Rad deponierte er im Fahrradabteil des Interregio und befestigte es mit einem Spiralschloss an der Wandhalterung. Trotzdem war es bei der Ankunft in Hannover verschwunden. Der Mann verklagte die Bahn, ihm den Kaufpreis von 1 050 Euro zu erstatten - mit Erfolg: Da die Bahn außer dem Anbieten der Fahrradhalterung keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen habe, müsse sie zahlen, stellten die Richter klar. Sie erließen dem Unternehmen lediglich fünf Prozent des Kaufpreises, da das Rad dreieinhalb Monate alt war (Landgericht Hannover, 3 S 1238/00-71).

Nickerchen

Ein Rheinländer war nachts allein im Abteil und brachte seinen Sitz in Liegestellung. Kurz darauf schlief er ein. Leider bemerkte er nicht, dass sich ein Langfinger ins Abteil schlich und ihm seine teure Uhr vom Handgelenk zog. Die Diebstahlversicherung musste nicht zahlen. Es sei "grob fahrlässig" von ihm gewesen, die "auf den ersten Blick als stehlenswert" erkennbare Uhr am der Abteiltür zugewandten Arm zu tragen, entschieden die Richter (Oberlandesgericht Düsseldorf, 4 U 12/05).

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