Urteile zu Zimmerbränden
Liebesspiele sind kein "unverzeihliches" Fehlverhalten

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Brennt mehr als nur die Kerze, wird der Feuerzauber schnell zu einem Fall für Versicherungen und Gerichte.

Zimmerflucht

Ein Rheinländer begrüßte seine Gäste im Schein des Adventskranzes mit einem Gläschen Wein. Danach verließ die Runde das Wohnzimmer und begab sich zum Essen in die Wohnküche. Als die Gäste beim Dessert plötzlich Brandgeruch schnupperten, war es schon zu spät: Das Adventsgebinde fackelte samt Wohnzimmereinrichtung ab. Die Renovierung musste der Rheinländer zahlen. Die Richter attestierten ein "unentschuldbares Fehlverhalten". Wer trotz flackernder Wachswaren das Zimmer länger als nur ganz kurz verlasse, handele grob fahrlässig (Oberlandesgericht Düsseldorf, 4 U 259/84).

Schäferstündchen

Mehr Verständnis hatten Richter für einen Mann, der am Morgen des 1. Weihnachtsfeiertages im Wohnzimmer die Adventskerzen anzündete und dann im Schlafgemach seine Freundin wecken wollte. Dabei erlag er jedoch ihren Reizen, plötzlich waren die Kerzen vergessen. Leider wurde es derweil auch im Wohnzimmer heiß, weil der Adventskranz Feuer gefangen hatte und die Einrichtung brannte. Den Schaden von 32 000 Euro musste die Versicherung zahlen: Theoretisch sei es zwar grob fahrlässig, die Kerzen unbeaufsicht zu lassen, so die Richter. Praktisch sei es aber entschuldbar, dass "körperliche Reize" den Mann "ungeplant abgelenkt" hätten. Liebesspiele seien kein "unverzeihliches" Fehlverhalten. (Oberlandesgericht Düsseldorf, 4 U 182/98).

Krippenspiel

Um ihrem 15 Monate alten Enkel was zu bieten, zündete Oma alle am Weihnachtsbaum hängenden Wunderkerzen an. Doch die Funken entzündeten das trockene Moos in der neben dem Baum stehenden Krippe. Plötzlich stand der Raum in Flammen. Geld von der Versicherung gab es nicht: Da der Hersteller der Wunderkerzen darauf hingewiesen hatte, dass sie nicht über entflammbarem Material entzündet werden dürfen, diagnostizierten Versicherung und Richter extremen Leichtsinn (Landgericht Offenburg, 2 O 197/02).

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 49 vom 01.12.2005

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