US-Börsenaufsicht: Die Drehtür-Karrieristen

US-Börsenaufsicht
Die Drehtür-Karrieristen

Die typisch amerikanischen Lebensläufe der vier Ex-SEC-Chefs verbinden nahtlos Top-Positionen im Staatsdienst mit lukrativen Jobs in der Wirtschaft. Anders als etwa in Deutschland regt sich in den USA niemand darüber auf – im Gegenteil.

NEW YORK. Da sitzen sie nebeneinander wie aufgereiht: vier ehemalige Chefs der US-Finanzaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission), der mächtigsten Börsenpolizei der Welt. Sie haben sich im einflussreichen New Yorker Club „Council on Foreign Relations“ getroffen, um über „die SEC und die Globalisierung der Finanzmärkte“ zu diskutieren.

Angesichts des fortgeschrittenen Alters von zumindest zwei Podiumsteilnehmern, William Donaldson (75) und Arthur Levitt (74), hätte man das Treffen als Kaffeekränzchen alter Herren abtun können. Doch im rund dreihundert Gäste fassenden Veranstaltungsraum finden viele Gäste nur noch Stehplätze. Denn Donaldson, Levitt und auch die beiden anderen Ex-SEC-Chefs Harvey Pitt (56) und Richard Breeden (55) gehören noch längst nicht zum alten Eisen.

Die typisch amerikanischen Lebensläufe der Vier verbinden nahtlos Top-Positionen im Staatsdienst mit lukrativen Jobs in der Wirtschaft. Anders als etwa in Deutschland regt sich in den USA niemand darüber auf – im Gegenteil. „Der so genannte Drehtür-Effekt zwischen privatem und öffentlichen Sektor sorgt für Erfahrungsaustausch und gegenseitiges Verständnis“, sagt der Research-Chef einer New Yorker Anlagefirma, der selbst einst für eine öffentliche Universität gearbeitet hat.

Allerdings gibt es Schamfristen. In den USA schreibt ein Gesetz vor, dass ehemalige Börsenchefs im ersten Jahr nach ihrem Rücktritt keinerlei Kontakt zu dem einst von ihnen geführten Amt halten dürfen. „Ein Ignorieren dieser ‚Abkühlungsphase’ wäre eine Straftat“, sagt Ex-SEC-Chef Pitt. Was jedoch nicht ausdrücklich verboten ist, gilt nach amerikanischem Rechtsempfinden als erlaubt.

So gründete Pitt zum Beispiel kurz nach seinem Ausscheiden die Unternehmensberatung Kalorama Partners. Laut Medienberichten vermeidet der gelernte Anwalt in seinem neuen Job zwar direkte Kontakte mit der SEC, hat aber juristische Strategien für Kunden entworfen, die Probleme mit den Aufsichtsbehörden haben. „Natürlich nutzen wir alle im Geschäftsleben auch manche Kontakte, die wir im öffentlichen Dienst geknüpft haben“, räumt Ex-SEC-Chef Breeden ein. „So funktioniert nunmal das Leben.“ Entscheidend sei, dass es keine Quid-pro-Quo-Absprachen gibt – also dass zum Beispiel kein Beamter ein Unternehmen mit Samthandschuhen anfasse, weil er dort später einmal landen wolle. „Aber wer würde davon schon wissen?“, fragt Kollege Pitt rhetorisch und lächelt.

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