US-Investor
Buffetts neuer Rekord

Warren Buffett bleibt seinem Ruf als "Kriseninvestor" treu. Die US-Wirtschaft leckt am Ausgang der schärfsten Rezession seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre noch ihre Wunden, da wagt der Multimilliardär mit dem Kauf einer ganzen Eisenbahngesellschaft das größte Investment seines Lebens.

NEW YORK. "Das ist eine Wette auf die wirtschaftliche Zukunft Amerikas", kommentierte der zweitreichste Mann der Welt seine 36 Mrd. Dollar schwere Transaktion. "Ich liebe solche Wetten", fügte er hinzu.

Bereits im vergangenen Herbst hatte er mit spektakulären Anlageentscheidungen mitten im Sturm der Finanzkrise Schlagzeilen gemacht. Er kündigte damals nicht nur öffentlich an, US-Aktien für sein Privatdepot zu kaufen. Er investierte zudem für seine Holding Berkshire Hathaway insgesamt fünf Mrd. Dollar in die Investmentbank Goldman Sachs. Das Wall-Street-Flagschiff ist mittlerweile zu Milliardengewinnen zurückgekehrt und seine Aktie notiert mit 170 Dollar knapp 50 Prozent über Buffets Einstiegspreis.

Berkshire vor Aktien-Splitt

Wurde seine Investition damals als Vertrauensvotum für das Finanzsystem gewertet, gilt der neueste Zukauf vielen im Markt als positives Signal für das ganze Land. "Man kann es als Zeichen des Vertrauens in die Wirtschaft sehen", sagte Peter Boockvar, Anlagestratege bei Millar Tabak in New York. Weil Buffett über Berkshire Hathaway in eine Unzahl von Firmen investiert (siehe: "Berkshire: Zurück zu den alten Industrien") und langfristig Erfolg vorweisen kann, trauen ihm viele Anleger einen besonderen Einblick in die Wirtschaftslage des Landes zu.

Berkshire Hathaway erwirbt mit dem am Dienstag verkündeten Zukauf für 26 Mrd. Dollar in Bargeld und Aktien die 77,4 Prozent an der Burlington Northern Santa Fe (BNSF), die sie noch nicht besitzt. Zudem übernimmt Buffetts Firma zehn Mrd. Dollar an Schulden des Konzerns. BNSF-Aktionäre können ihre Anteile in Berkshire-Hathaway-Anteile tauschen. Um den Umtausch in die rund 3300 Dollar teuren Klasse-B-Aktien der Holding zu erleichtern, wird ein Aktiensplitt im Verhältnis "50 zu 1" vorgenommen. Dadurch können demnächst auch andere Anleger mit kleineren Summe als bislang in die stimmrechtsbeschränkten, den deutschen Vorzugsaktien ähnelnden Anteile der Buffett-Firma investieren. Die voll stimmberechtigten Klasse-A-Papiere, die der deutschen Stammaktie entsprechen, legten am Dienstag um gut 1100 Dollar auf 99912 Dollar zu.

Buffett begründete seine Entscheidung auch damit, dass in den USA in Zukunft größere Transportkapazitäten benötigt würden. "In zehn, 20, 30 Jahren müssen wir mehr Menschen, mehr Güter bewegen", sagte er. Einige Experten sehen hinter Buffetts Anlage aber zusätzlich auch den Versuch, indirekt und kostengünstig auf eine Renaissance der Kohle als Energieträger zu wetten. Schließlich transportiert die BSNF jährlich so viel Kohle, wie zur Deckung von zehn Prozent des US-Strombedarfs nötig wäre. "Die Bahn transportiert soviel Kohle, daher ist das ein Investment in den steigenden Bedarf des Rohstoffes, ohne ihn selbst kaufen zu müssen", sagte Jack Ablin, Anlagestratege bei Harris Private Bank der Nachrichtenagentur Reuters.

Nicht nur in den USA, sondern vor allem im Rest der Welt erwartet BSNF einen steigenden Bedarf an dem Energieträger. "Wir gehen davon aus, dass wir in der Zukunft mehr Kohleexporte sehen werden", sagte BNSF-Chef Matt Rose am Dienstag in einem Bloomberg-Interview. Peabody Energy Corp, der größte US-Kohleförderer hatte zuletzt die Exporte nach Asien intensiviert. Die Nummer Zwei der Branche, Arch Coal, hatte am 30. Oktober verkündet, dass man im September von der US-Westküste Kohle nach China exportiert habe und sich mit weiteren Märkten im asiatisch-pazifischen Raum in Verhandlungen befände. Asien scheint derzeit die globale Finanzkrise am schnellsten hinter sich zu lassen. Damit dürften dringend benötigten Infrastrukturinvestitionen an Fahrt gewinnen und den Energiebedarf steigen lassen.

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