US-Personalvermittler
Zur Not auch Kandidaten grillen

US-Personalvermittler sind bekannt für ihren Ideenreichtum und ihre Hartnäckigkeit. Haben sie einen Kandidaten im Visier, kreisen sie ihn nach allen Regeln der Kunst ein. Mal auf elegante Weise, mal auf die brutale Tour. Den deutschen Personalberatern haben sie einiges voraus.

NEW YORK. Systemingenieure sind in den USA gefragte Spezialisten und daher schwer zu bekommen. Nicht jedoch für Dan Dubay. Der Abteilungsleiter Ingenieurwesen bei der Personalvermittlung Aerotek in Hanover (Maryland) hat eine Spezialquelle: Er rekrutiert bei der amerikanischen Navy. Genauer gesagt: bei den Ehefrauen der Techniker. Die Herren befinden sich häufig seit Tagen oder gar Wochen auf See, wenn der Headhunter zuhause anruft und einen hochbezahlten Unternehmensjob auf dem Festland anbietet. Für Dubay und seine Leute eine ideale Situation: „Es reicht, wenn wir unsere Informationen weitergeben.“ Die Überzeugungsarbeit leistet die Gattin.

Amerikanische Personalvermittler sind bekannt für ihren Ideenreichtum und ihre Hartnäckigkeit. Haben sie einen Kandidaten im Visier, kreisen sie ihn nach allen Regeln der Kunst ein. Mal auf elegante Weise, wie bei den Navy-Spezialisten, mal auf die brutale Tour – etwa durch stündliche Nachrichten auf allen zugänglichen Mailboxen. Die so Umworbenen sind keineswegs ungehalten, im Gegenteil. Dubay: „Je häufiger der Headhunter anruft, desto sicherer können sie sein, dass das Angebot ernst gemeint ist.“ Die Spielregeln in Amerika sind eben etwas anders als in Deutschland.

Deutsche Führungskräfte, die in die USA wechseln, sind häufig begeistert, wenn sie zum ersten Mal mit amerikanischen Headhuntern zu tun haben. Das gilt insbesondere für Mittelständler, die weder hier noch drüben eine der internationalen Top Ten Agenturen beauftragen, sondern mit Anbietern vor Ort arbeiten. Stephan Schmitt, Vorstandsvorsitzender des TÜV Rheinland Nordamerika mit Sitz in Newtown nahe New York: „Amerikanische Recruiter sind deutlich aggressiver und schneller. Die legen einem schon nach drei Tagen eine Liste mit ernst zu nehmenden Kandidaten vor. Da ist man als Deutscher erstmal platt.“

Maximal eine Woche, in besonderen Fällen auch mal zwei, brauchen amerikanische Headhunter, bis sie Bewerber für Stellen für Fachkräfte oder im mittleren Managament vorschlagen. Ein solches Tempo erwarten die Kunden. „Wir dürfen keine Zeit verschwenden“, sagt Dubay, „Zeit ist Geld.“ Nur bei Top-Positionen auf Vorstandsebene sind längere Suchzeiten akzeptiert: 30 bis 90 Tage.

Möglich ist eine solche Geschwindigkeit nur durch jahrelange intensive Kontaktpflege. Ein gut vernetzter US-Headhunter hat Tausende von persönlichen Kontakten und weiß bei Auftragserteilung auf Anhieb, wen er ansprechen kann. Das Wachstum des Netzwerks wird nicht dem Zufall überlassen, sondern akkurat gesteuert. Die Kopfgeldjäger besuchen Empfänge, Kongresse und Seminare, einzig mit dem Zweck, möglichst viele potenzielle Wechselwillige kennenzulernen, Visitenkarten abzugreifen und einen sympathischen Eindruck zu hinterlassen. Rund 50 Prozent der Arbeitszeit geht für Networking drauf, schätzt Matt Briand, Vizepräsident von Monroestaffing, einer 52-Mann-Agentur in Monroe nahe New Haven (Connecticut).

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