USA und Japan
Headhunter suchen nach neuen Jobs

Immer mehr Unternehmen suchen sich in den USA ihr Personal selbst. In Japan hingegen blüht das Headhunting erst richtig auf: Erst seit 2014 holen Traditionsfirmen Chefs von außerhalb.
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New York, TokioDie Nachricht schlug 2012 ein in der Medienbranche: Der RTL-Chef und Bertelsmann-Vorstand Gerhard Zeiler wechselt zu Time Warner. Der österreichische Manager verließ den Unterhaltungskonzern, weil ihn die alte Aufgabe nicht mehr so fesselte, sagte er damals: „Für mich ist es reizvoll, mich mit neuen Ländern und Märkten zu beschäftigen“. In der Tat: Als Chef von Turner Broadcasting verantwortet er das globale Geschäft des US-Fernsehkanals, darunter CNN International.

Den damals spektakulären Wechsel fädelte Time Warner selbst ein. Das Medienunternehmen war unzufrieden mit der Arbeit von Headhunter-Firmen, der Aufstieg von digitalen Berufsnetzwerken wie Linked-In ermöglichte neue Vorgehensweisen. Schon 2003 gründete es eine eigene Personalbeschaffung, die Maggie Rubey Lynch mit 30 Mitarbeitern leitet. „Wir sind eine Firma in der Firma“, sagt die Managerin mit dem Titel „SVP Worldwide Recruitment & Executive Search”.

Laut Lynch holen ihre Leute schneller neues Personal an Bord: Im Schnitt dauert es 100 Tage, statt der üblichen 170, bis eine Führungsposition besetzt ist, wie sie dem „Wall Street Journal“ sagte. Dabei spart Time Warner Geld, laut Lynch seit Gründung der Abteilung mehr als 200 Millionen Dollar. Beispiel Zeiler: Nach Schätzung von dem Branchendienst Executive Search Review hätte Time Warner für den Medienmanager mindestens eine halbe Million Dollar an einen Headhunter bezahlt.

Jedes Jahr geben US-Unternehmen geschätzte 72 Milliarden Dollar für Personalbeschaffung aus. Aber der Markt verändert sich radikal. Auf dem unteren Ende der Skala suchen sich Firmen Manager mit wenig komplexer Erfahrung und Wissen die Leute selbst. Am oberen Ende der Skala rebellieren sie vielfach gegen die früher hohen Provisionen der Headhunter, die in der Regel ein Drittel des Jahresgehalts plus andere Gebühren verlangten – selbst, wenn kein Kandidat gefunden wird.

Zahlreiche Firmen haben neben Time Warner daher die Personalbeschaffung „in house“ geholt: Die Hotelkette Hilton, der Brauselimonadenhersteller Pepsi oder Kaufhauskette Sears. Laut dem Wall Street Journal haben ein Viertel der 500 größten US-Unternehmen einen „Chef für Anwerbung von Führungskräften“, vor einem Dutzend Jahren waren es nur zehn Prozent.

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Japaner gelten als weniger aggressiv

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