Utz Claassen bescheinigte seinem Vorgänger eine „konstruktive Ergebnisgestaltung“
EnBw kann Goll keine strafbare Bilanzverschleierung nachweisen

Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) kann ihrem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Gerhard Goll nach eigenen Angaben keine strafbare Bilanzkosmetik nachweisen. Zu den entsprechenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Goll könne die EnBW AG keinen Kommentar abgeben, sagte am Dienstag ein Konzernsprecher in Karlsruhe.

HB KARLSRUHE. Der neue Vorstandsvorsitzende Utz Claassen habe seinem Vorgänger zwar eine „konstruktive Ergebnisgestaltung“ bescheinigt. Diese sei aber im rechtlich zulässigen Rahmen gewesen. Goll selbst wies in einem Interview der „Stuttgarter Nachrichten“ den Vorwurf der Bilanzverschleierung zurück.

Der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe, Alexander Schwarz, bestätigte am Dienstag, dass ein Ermittlungsverfahren gegen Goll eingeleitet wurde. „Wir führen insgesamt vier Beschuldigte“, sagte der Mannheimer Oberstaatsanwalt Hubert Jobski. Die EnBW-Manager sollen die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens möglicherweise unrichtig dargestellt haben. Nach Paragraf 331 des Handelsgesetzbuchs reiche der Strafrahmen für ein solches Vergehen von einer Geldstrafe bis zu einer dreijährigen Haftstrafe.

Der bloße Nachweis einer geschönten Bilanz reicht laut Gesetz für eine Verurteilung nicht aus. Darüber hinaus muss den Beschuldigten auch nachgewiesen werden, dass sie die Zahlen bewusst beschönigt haben. Goll hatte im April nach sechs Jahren als Vorstandsvorsitzender der EnBW seinen Posten geräumt. Wenig später machte sein Nachfolger Utz Claassen ein Milliardendefizit beim Energieriesen aus und verordnete dem Konzern einen rigiden Sparkurs. So sollen bis zum Jahr 2006 bis zu 2000 Arbeitsplätze abgebaut werden.

„Ich schließe für mich und, soweit ich es weiß, für meine Kollegen und Mitarbeiter aus, dass irgendjemand die Bilanz verschleiert hat oder verschleiern wollte“, sagte Goll im Zeitungsinterview. „Herr Claassen hat mir gegenüber gesagt, dass die Bilanz 2002 in Ordnung sei.“ Goll kritisierte die Ermittlungsbehörden: „Die Staatsanwaltschaft hat weder mit meinem Anwalt noch mit mir Kontakt aufgenommen, obwohl ich das mehrfach angeboten habe.“

Die Kreistagsfraktion der Grünen im Landkreis Ravensburg hatte Anfang August gegen Goll eine Anzeige wegen Untreue-Verdachts erstattet. Der Aufsichtsrat sei nicht ausreichend über das Defizit von einer Milliarde Euro informiert worden, das nach dem Ende von Golls Amtszeit ans Licht gekommen sei, hieß es zur Begründung.

Claassen hatte seinen Vorgänger indirekt für die Finanzkrise verantwortlich gemacht. Der bevorstehende Personalabbau gehe letztlich auf diejenigen zurück, „die die entstandene Situation zu verantworten haben“, hatte der Vorstand im Oktober in einem offenen Brief an die Belegschaft geschrieben.

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