Utz Claassen im Interview „Ich fühle mit den Betroffenen“

Es war nur ein kurzes Intermezzo. 74 Tage amtierte der Ex-EnBW-Chef Utz Claassen als Vorstandsboss der Solar Millennium AG, dann kündigte er. Warum Claassen mit den betroffenen Anlegern des Pleite-Unternehmens fühlt.
Update: 20.08.2012 - 20:40 Uhr 12 Kommentare
Der frühere Chef des Energiekonzerns EnBW und Vorstandsvorsitzender der Solar Millenium AG, Utz Claassen, versichert, dass er mit den getäuschten Anlegern fühlt. Quelle: dpa

Der frühere Chef des Energiekonzerns EnBW und Vorstandsvorsitzender der Solar Millenium AG, Utz Claassen, versichert, dass er mit den getäuschten Anlegern fühlt.

(Foto: dpa)

Herr Claassen, Sie waren Anfang 2010 Vorstandschef der Solar Millennium AG. Der Solarkraftwerksbauer ist inzwischen pleite. Fühlen Sie mit den Anlegern, die um ihr Vermögen gebracht wurden?
Utz Claassen: Ja, natürlich. Ich fühle mit den Betroffenen. Und das sind für mich nicht nur die Anleger, sondern auch die früheren Mitarbeiter, die sich vorrangig aus idealistischen Motiven für diese grüne Technologie und damit eine gute Sache engagiert haben - und bitter enttäuscht wurden. Den vertrauensvollen Anlegern und der tollen Belegschaft habe ich mich stets verpflichtet gefühlt, dies gilt noch immer.

Auch Sie haben sich vom Unternehmen begeistern lassen ...
Zunächst einmal: Der Aufsichtsrat von Solar Millennium hat sich sehr nachhaltig um meine Verpflichtung bemüht, auch unter Einschaltung Dritter. Ich selbst war damals beim Finanzinvestor Cerberus sehr happy und keineswegs auf Jobsuche.

Was hat Sie gereizt?

Schon als Vorstandsvorsitzender der Energie Baden-Württemberg AG hatte ich im Jahr 2005 auf einem Kongress sinngemäß öffentlich gesagt: In der Sonnenenergie liegt die Zukunft. Und dabei meinte ich nicht primär die Photovoltaik, sondern vor allem die Solarthermie. Denn die ist skalierbar, projektgetrieben und speicherbar. An die Technologie der solarthermischen Stromerzeugung glaube ich übrigens - auch nach den besonderen Erfahrungen bei Solar Millennium - noch immer.

Die Begeisterung für die Solarthermie ist das eine. Was ließ Sie an den wirtschaftlichen Erfolg glauben?
Vor Abschluss meines Dienstvertrages erhielt ich vom Aufsichtsrat einen außerordentlich vielversprechenden "Businessplan" ausgehändigt, der unmittelbarer und elementarer Bestandteil des Dienstvertrags wurde und dessen Seriosität der Aufsichtsrat mir gegenüber schriftlich versicherte. Mir wurde vertraglich zugesichert, dass die diesem Businessplan zugrunde liegenden Annahmen realistisch seien, dass die Umsatz- und Ertragsplanung mit als "wahrscheinlich beziehungsweise konkret einzustufenden Projekten hinterlegt" sei und dass der "Businessplan" in Summe als "betriebswirtschaftlich seriöser Business Case zu betrachten" sei.

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12 Kommentare zu "Utz Claassen im Interview: „Ich fühle mit den Betroffenen“"

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  • Richard
    Scheinheiliger geht es nicht mehr. Erst beschleunigt der saubere Herr Claassen mit seinen unverschämten Geldforderungen den Untergang der Firma um dann sein Mitgefühl mit den geprellten Kleinsparern kundzutun. Ich denke, solche Geldhaie gehören eingesperrt.

  • Ich bin einer der Betroffenen, mit denen Herr Claassen angeblich fühlt. Ich frage mich nur, warum er sein Mitgefühl dadurch ausdrückt, daß er Solar Millennium in den USA auf über 200 Millionen Dollar verklagt hat (siehe Internetseite von Solar Millennium, Pressemitteilung vom 02.04.2012). Will er sich aus der Insolvenzmasse noch ein großes Stück von dem Kuchen, der noch da ist, herausschneiden? Ich finde, das Handelsblatt hätte ihn darauf ansprechen müssen.

  • Muhahaha. Ihre Art erinnert mich an den Standardneidsatz in deutschen Grundschulen in den 70ern. Der lautete bei jeglichem Erfolg so: "Du glaubst wohl, die bist etwas Besonderes!" Reflexartig hat man das dann aus gefühlten sozialen Zwängen eher verneint, obwohl im Rückblick vor dem Hintergrund der enthaltenen menschlichen Niedertracht, die sich auch in ihren Beiträgen so eindrucksvoll wiederfindet, eher ein stolzes "Ja, so ist es!" angebracht gewesen wäre.

  • Auf dass Sie so intelligent und erfolgreich sind wie Sie tun. Wirklich intelligente und wirklich erfolgreiche Menschen sprechen in aller Regel nicht so absolut und abwertend über andere wie Sie. Hochmut kommt oft vor dem Fall. Es würde mich nicht wundern, wenn Sie sich eines Tages als wenig kognitiv erweisen und deshalb als Megabankrotteur im Dreck landen sollten.

  • @Caesarenwahn

    Naja, wenn sie meinen. Ich habe es am eigenen Leibe erfahren, da ich leider in jungen Jahren unerfahren war und mich am falschen Ort engagiert habe. Die Erfahrung wurde also gemacht, die Konsequenzen gezogen und aus der Ferne beobachtet sich die weitere Entwicklung nun recht unbeschwert.

    Also überlasse ich ihrem Kopf das Denken, offenbar in Geschmackrichtung "sozialistisch", und widme mich dem, was ich am liebsten tue: Einsatz meiner Fähigkeiten für meine Ziele. Das mag sie nun empören, aber das stört mich nicht.

  • Man braucht Ramsi nicht zu kennen, diese Stereotypen die er da rauslässt, entlarven ihn bis ins Detail. Lesen Sie meinen Nickname, dann wissen Sie was Ihnen fehlt, DrRichter

  • ist schlicht dem in Deutschland allgegenwärtigen Neid zuzuordnen,,,,

    wenn in bestimmten Kreisen sämtliche Maßstäbe verloren gegangen sind, dan bedient man sich gerne gestanzter Formeln, die für Claqueren gedacht sind mit Köpfen, die nicht zu denken gewohnt sind und ihnen das Argument ersetzen

  • Man kann zu den Zahlungen an Herrn Claasen stehen wie man will. Jemanden als Neidprekariat zu bezeichnen, der -nach Ihrer Einschätzung wohl bedauerlicherweise- Redeerlaubnis hat, steht Ihnen nicht zu. Erstens kennen Sie den Leserbriefschreiber Ramsi nicht, und können ihn daher auch nicht beurteilen. Zweitens sind wir noch lange nicht so weit, dass die Redefreiheit und Meinungsfreiheit in unserem Land vom Umfang des Geldbeutels abhängig ist. Ganz in die Diktatur der strippenziehenden, reichen Bilderberger sind wir immer noch nicht abgesunken. Auch wenn Leute Ihres Schlages das vielleicht gerne hätten.

  • Man muss Utz Claassen nicht mögen, aber sein Verhalten ist nachvollziehbar und korrekt: Ein Vorstandvertrag in einem interessanten Technologieunternehmen mit vielversprechendem Businessplan als elementaren Bestandteil, nichtrückzahlbarem Antrittsgeld in Millionenhöhe und explizitem Sonderkündigungsrecht sind eine so attraktive Kombination, dass man ja verrückt sein müsste, ihn nicht zu unterschreiben.

    Das er dafür nun trotzdem kritisiert wird, ist schlicht dem in Deutschland allgegenwärtigen Neid zuzuordnen. Aber der ist ja ohnehin jedem gewiss, der in Deutschland unternehmnerisch tätig ist.

  • Und wieder hat das Neidprekariat Redeerlaubnis. Herr Claassen hat immerhin einen hochdotierten Posten für dieses Pleiteunternehmen aufgegeben. Dass ihm da ein gewisser Ausgleich zusteht, ist doch selbstverständlich. Er hat nichts gestohlen, sondern nur genommen, was ihm vertraglich zustand. Da sollte man sich doch eher über die Boni und Abfindungen der Bankvorstände aufregen, die diese trotz erwiesenem Versagens kassieren

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