"Vanity Fair"-Chefredakteur Ulf Poschardt: Posh, Pop und Politik

"Vanity Fair"-Chefredakteur Ulf Poschardt
Posh, Pop und Politik

Ulf Poschardt hat provozierende Bücher geschrieben. Jetzt mischt er mit „Vanity Fair“ die deutsche Zeitschriftenbranche auf. „Posh“, wie er in der Branche genannt wird, ist ein Mann mit Verkäuferqualitäten.

HAMBURG/BERLIN. Wenn Angela Merkel vom Kanzleramt in Richtung Spreebogen ihre Blicke schweifen lässt, kommt sie am neuen Glamour-Magazin „Vanity Fair“ nicht vorbei. In goldenen Lettern prangt der Name der Zeitschrift so hoch wie ein Einfamilienhaus am unansehnlichen Hauptgebäude der Charité.

Während die Kanzlerin Politik für Deutschland macht, will Chefredakteur Ulf Poschardt eine „Zeitschrift für Deutschland“ machen. Vielleicht hat der umtriebige Zeitschriftenmacher genau deshalb das Herz der Berliner Republik als Redaktionssitz auserkoren. Unter den Linden 10 heißt die feine Adresse. Im Erdgeschoss bietet Ferrari seine feuerroten Flitzer feil. Im dritten Stock werkeln Poschardt und sein Team am ehrgeizigsten Zeitschriftenprojekt seit Jahren: Rund 50 Millionen Euro investiert der Verlag Condé Nast („Vogue“, „The New Yorker“) in den deutschen Ableger des amerikanischen People- und Lifestyle-Titels „Vanity Fair“.

Der Chefredakteur (in der Branche Posh genannt) mit dem jungenhaften Haarschnitt und dem modischen Outfit ist ein Mann mit Verkäuferqualitäten. Er hat riesige Poster von Promis wie Sänger Xavier Naidoo an die Fassade des Redaktionssitzes hängen lassen. Die Selbstinszenierung ist ganz nach seinem Geschmack. Sie fällt auf und polarisiert.

Poschardt gilt in der Branche als Publizist, der gerne provoziert. Dies beweist der 39-Jährige vor allem als Buchautor. Mal schreibt der gebürtige Nürnberger und Wahl-Berliner über Mode, Kälte („Cool“) und Rasen („Über Sportwagen“), mal lässt er sich philosophisch über das Thema Einsamkeit aus. „Einsamkeit hat einen schlechten Ruf. Völlig unbegründet“, meint Poschardt im Klappentext seines Buches.

Mit seinen eigenwilligen Thesen macht er Zeitungsverlage auf sich aufmerksam. 1996 holt ihn die „Süddeutsche Zeitung“ und macht ihn zum Chefredakteur ihres „Magazins“. Dort aber erlebt er eine seiner größten Niederlagen. Er druckt frei erfundene Interviews des Journalisten Tom Kummer. „Wir haben Tom Kummer vertraut: Das war ein Fehler. Jeder macht Fehler“, räumt Poschardt heute gegenüber dem Handelsblatt ein. Nach seinem Rauswurf macht er beim Springer-Titel „Welt am Sonntag“ Zwischenstation, bevor ihn Condé Nast im Sommer 2005 holt.

Doch Poschardts neues Projekt spaltet die Branche. „Der Anspruch, ein Magazin für Deutschland zu sein, wurde gut formuliert, aber nicht richtig eingelöst“, meint Christian Krug, Chefredakteur des Lifestyle-Konkurrenten „Max“. „Ob ausgerechnet Til Schweiger, Sigmar Gabriel, Michel Friedmann und die NPD für den Aufbruch in Deutschland stehen, bezweifle ich“, sagt er.

Zudem vermisst er die „Originalität der Geschichten.“ Auch in der Filmbranche kommt das Blatt noch nicht besonders gut an. „Hoffentlich gelingt es Poschardt, die Filmbranche endlich kreativer und interessanter als die Konkurrenz darzustellen“, hofft Filmfinanzier David Groenewold.

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