Vattenfall-Chef Klaus Rauscher
Kalt erwischt

Klaus Rauscher, Chef von Vattenfall Europe, zeigt wenig diplomatisches Geschick nach den Atomstörfällen. Unter Druck präsentiert er nun erste Bauernopfer, die ihre Posten räumen müssen.

DÜSSELDORF. Klaus Rauscher kann es nicht lassen. Seit Tagen schon steht Vattenfall Europe am Pranger. Seit Tagen hagelt es heftige Kritik am mangelhaften Krisenmanagement bei den Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel. Doch statt reuevoll Fehler einzugestehen, geht Rauscher zunächst zum Gegenangriff über.

In Schweden, wo der Mutterkonzern Vattenfall seinen Sitz hat, zeigt man dafür wenig Verständnis. Rauschers Chef, Lars Göran Josefsson, ist zwar im Urlaub in seinem Ferienhäuschen in der schwedischen Provinz. Dennoch lässt er sich täglich über die neuesten Entwicklungen in Deutschland informieren – und am Wochenende mischt er sich dann überraschend ein.

Ein Journalist erreicht Josefsson per Handy im Auto. Da übte der Konzernchef heftige Kritik am Krisenmanagement der deutschen Tochter. Es sei eine „unglückliche Situation“ entstanden, die Tochter sei „unfähig, richtig zu kommunizieren“. Spätestens jetzt ist klar, Vattenfall wird ein Opfer präsentieren. In der Branche wird immer lauter die Frage gestellt: „Ist Rauscher noch zu halten?“

Geschickt präsentierte der gestern selbst zwei Bauernopfer: Bruno Thomauske, Chef der Kernenergiesparte, und Johannes Altmeppen, Leiter der Konzernkommunikation, werden gefeuert. War es das? Hat Rauscher damit den Kopf aus der Schlinge gezogen? Vielleicht war das auch nur der erste Schritt, sagt ein Kenner des Unternehmens. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Debatte weiter entwickele.

Wie hatte sich die Situation derart zuspitzen können? Vor allem die schlechte Kommunikation des Unternehmens, das nur auf Druck und scheibchenweise Fakten offen legte, löste in der Öffentlichkeit Kopfschütteln aus. Erst vor einer Woche rief Deutschlands viertgrößter Energiekonzern eine Pressekonferenz ein, stellte sich endlich den Fragen.

Dort räumte Rauscher vor den kurzfristig in die Berliner Zentrale geladenen Journalisten auch artig Fehler ein. Diplomatisch gab sich der Manager allerdings ganz und gar nicht, ging vielmehr zum Gegenangriff über. Der Deutschlandchef sprach über eine „Kampagne“ von Atomkraftgegnern, von „politischen Angriffen“, um die Zuverlässigkeit seines Unternehmens in Frage zu stellen.

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