VDA-Präsident Daimler und BMW dementieren Pläne für Wissmann-Ablösung

Laut einem Bericht soll der oberste deutsche Autolobbyist im Zuge des Abgasskandals vor der Ablösung stehen. VDA-Chef Matthias Wissmann solle demnach nach der Wahl gehen – die Autobauer widersprechen jedoch.
Update: 31.08.2017 - 11:41 Uhr 3 Kommentare

IAA 2017: Branchentreffen zur Krisenzeit

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Berlin/StuttgartDer Branchenverband VDA und Autohersteller haben einen Bericht über eine angeblich geplante baldige Ablösung von VDA-Chef Matthias Wissmann zurückgewiesen. „Das ist völlig abwegig“, sagte eine Sprecherin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. BMW-Chef Harald Krüger sagte auf Anfrage: „Wir haben volles Vertrauen in Herrn Wissmann. Alles Weitere ist für uns kein Thema.“ Zuvor hatte bereits Daimler dem Bericht widersprochen. „Von einer Ablösung Matthias Wissmanns kann keine Rede sein“, sagte Daimler-Sprecher Jörg Howe.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hatte unter Berufung auf Industriekreise berichtet, die drei großen Autobauer Daimler, BMW und Volkswagen wollten nach der IAA einen anderen Präsidenten an der VDA-Spitze sehen. Koordinator der Suche nach einem Wissmann-Nachfolger sei Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche.

Am Donnerstagmittag ist eine Pressekonferenz Wissmanns zur Branchenmesse IAA in Frankfurt geplant, die am 12. September mit dem ersten Pressetag beginnt.

Der ehemalige Bundesverkehrsminister Wissmann ist seit 2007 VDA-Präsident. Sein Vertrag war im November 2016 um zwei weitere Jahre verlängert worden, bis November 2018. Ob der heute 68-Jährige danach Chef des einflussreichen Lobby-Verbandes bleibt, ist unklar. Wissmann ist in Politik und Wirtschaft bestens vernetzt.

Die Autobranche ist durch die Diesel-Abgasaffäre beträchtlich unter Druck geraten. Unter anderem habe es Unstimmigkeiten zwischen Wissmann und Zetsche gegeben, berichtete das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Die drei Autobauer wollten mit einer personellen und inhaltlichen Neuaufstellung beim VDA die weitere Debatte um Verbrennungsmotoren und mögliche Fahrverbote bestreiten. Im Zuge der Diesel-Affäre sei es zu internen und teils auch öffentlich gewordenen Unstimmigkeiten zwischen der VDA-Spitze und nicht zuletzt mit Daimler-Chef Zetsche gekommen.

Einmal Autoindustrie – und zurück
Joachim Koschnicke
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Merkels Wahlkampf-Manager kommt vom Autobauer Opel: Von 2013 bis Anfang 2017 war Koschnicke Cheflobbyist für den Rüsselsheimer Autobauer. Zuvor war er bereits für das Konrad-Adenauer-Haus tätig: Bei der CDU verantwortete er von 2005 bis 20011 den Bereich Strategische Planung.

Maximilian Schoeberl
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Auch der Kommunikationschef von BMW bringt Parteierfahrung mit: In den 90er-Jahren war Schoeberl Pressesprecher der CSU unter Theo Waigel.

Martin Jäger
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Der heutige Staatssekretär im baden-württembergischen Innenministerium hat mehrfach die Seiten gewechselt: 2004 begann er, für Frank-Walter Steinmeier (SPD) zu arbeiten, zunächst im Bundeskanzleramt, dann im Auswärtigen Amt. 2008 übernahm er den Bereich Global External Affairs and Public Policy bei Daimler. Ex-Außenminister Guido Westerwelle (FDP) machte Jäger 2013 zum Botschafter in Afghanistan. Über den Umweg Pressestab des Bundesfinanzministeriums kam Jäger nach Stuttgart.

Thomas Steg
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Sieben Jahre lang war Steg Regierungssprecher unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD). 2009 wechselte er ins Wahlkampf-Team von Frank-Walter Steinmeier. Nach dessen gescheiterter Kandidatur machte sich Steg selbstständig – bis ihn Volkswagen 2012 als Cheflobbyist verpflichtete. Bis heute unterhält der gebürtige Braunschweiger beste Kontakte nach Niedersachsen – und überarbeitete etwa die Regierungserklärung des strauchelnden Ministerpräsidenten Stephan Weil.

Eckart von Klaeden
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Leiter Politik und Außenbeziehungen bei Daimler lautet die aktuelle Job-Beschreibung von Eckart von Klaeden. Zuvor saß er knapp zehn Jahre im Bundestag und gehörte als Staatsminister im Bundeskanzleramt zu den Vertrauten von Kanzlerin Merkel. Sein Wechsel zum Stuttgarter Autobauer im Jahr 2013 beschäftigte zwischenzeitlich sogar die Berliner Staatsanwaltschaft. Das Verfahren wurde jedoch im Jahr 2015 eingestellt.

Matthias Wissmann
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Als Chef des Verbandes der Automobilindustrie ist Wissmann sozusagen der Cheflobbyist der Autoindustrie – ein Job für gute Regierungsbeziehungen hilfreich sind. Die bringt Wissmann als langjähriger Bundestagsabgeordneter und Bundesverkehrsminister unter Helmut Kohl in jedem Fall mit.

Für Kritik hatte zum Beispiel gesorgt, dass der VDA beim Dieselgipfel mit Vertretern von Politik und Autoindustrie Anfang August noch während laufender Verhandlungen bereits eine Presseerklärung veröffentlicht hatte.

Im Zuge der Debatte um Kartellvorwürfe gegen deutsche Autobauer hatte Wissmann außerdem einen Kulturwandel in der Branche sowie eine „Null-Fehler-Toleranz“ gefordert. Zetsche hatte daraufhin erklärt: „Ich war überrascht über diese Stellungnahme.“

  • dpa
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3 Kommentare zu "VDA-Präsident : Daimler und BMW dementieren Pläne für Wissmann-Ablösung"

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  • Alexander Dobrindt. In Fortführung der Tradition...

  • Die Autobauer tun gut daran Wissmann abzusetzen. Der Lackaffe ist so sympathisch wie ein Pickel am A...

  • Ich würde Trittihn wählen, der kennt sich mit der Demontage funktionierender deutscher Industriezweige bestens aus.....

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