Venture Capital
Kaum einer wagt es

Deutsche Investoren lassen junge Firmen links liegen. Der angeschlagene Markt für Wagniskapitalfinanzierungen wird durch die Finanzkrise zusätzlich belastet. Frische Mittel gibt es kaum – wer sie hat, kann sich über paradiesische Verhältnisse freuen.

FRANKFURT. „Die Zahl der angebotenen Investitionsmöglichkeiten steigt im Moment extrem an“, bestätigt Hendrik Brandis, Mitgründer der Münchener Venture-Capital-Gesellschaft Earlybird. Sein Haus, das 2008 bei Geldgebern noch 127 Mio. Euro einsammeln konnte, habe im Auftaktquartal fast 50 Prozent mehr Investment-Vorschläge erhalten. Denn Banken und Mezzanine-Geber schreckten vor Engagements zurück. „Das Ergebnis sind für uns extrem günstige Investitionsbedingungen“, fasst Brandis zusammen. Seit Januar hat Earlybird zwei Investments getätigt, zwei weitere stehen vor dem Abschluss.

Venture Capital konzentriert sich – anders als das klassische Beteiligungsgeschäft – auf Gründer (Start-ups) und junge Unternehmen. Finanziert wird mit Eigenkapital, so dass die momentane Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe die Branche anders als Private Equity kaum trifft. Allerdings: Die Branche ist weitaus kleiner. 2008 wurden gerade einmal 390 Mio. Euro investiert – genauso viel wie ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Die USA kamen nach Zahlen der National Venture Capital Association (NVCA) auf die Investitionssumme von 28,3 Mrd. Dollar. „Der europäische Venture-Capital-Markt ist bei weitem nicht so entwickelt wie in den USA“, erklärt Christian Claussen, zuständig im Wagniskapital-Bereich von Crédit Agricole Private Equity (CAPE).

In den USA gibt es die Anlageklasse seit mehr als 30 Jahren, während sie in Europa erst in den 90er- Jahren an den Start ging. Das Platzen der Internet-Blase führte wenig später zu gigantischen Verlusten – und extremer Verunsicherung der Geldgeber hierzulande. Während in Amerika Pensionskassen, Versicherer oder auch Stiftungen also schon mehrfach mit Venture-Capital-Engagements satte Renditen einfahren konnten, endete der erste Versuch in Europa praktisch mit einem schweren Kater. Die Folge war eine drastische Konsolidierung: Laut Brandis gibt es in Deutschland nur rund 20 Fonds. Branchenkenner zählen neben Earlybird Wellington Partners, Target Partners oder TVM Capital zu den relevanteren Adressen. „Nötig wären sicherlich 20 bis 30 aktive und ausreichend kapitalisierte Fonds in Deutschland“, sagt Albrecht Deißner, für Beteiligungsfinanzierung zuständiger Direktor bei der staatlichen Förderbank KfW. Laut Schätzungen wären in Deutschland jährliche Venture-Capital-Investitionen von rund fünf Mrd. Euro nötig, um – relativ gesehen – ein ähnliches Niveau wie Nordamerika zu erreichen.

Die bisher schwache Erfolgshistorie macht sich nun in der Krise doppelt bemerkbar. „Angesichts der Marktturbulenzen halten sich viele institutionelle Investoren mit Engagements zurück und vergeben damit Chancen“, sagt KfW-Manager Deißner. Er bemängelt, dass vor allem heimische Versicherer und Vermögensverwalter die Anlageklasse meiden – und ihr Geld allenfalls in ausländische Fonds stecken. Potenzielle ausländische Geldgeber macht das erst recht skeptisch.

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