Veolia-Chef Henri Proglio
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Henri Proglio, Chef des französischen Entsorgers Veolia, ist eng verbunden mit vielen Spitzenpolitikern. Auf dem deutschen Markt hat er sich mit dem Kauf der Hamburger Sulo in Stellung gebracht. Seinen Aktionären wird er am Donnerstag dennoch seine Strategie-Pirouetten erklären müssen.

PARIS. Bei den Chefs der französischen Großkonzerne gibt es echte Stars wie Renault-Chef Carlos Ghosn oder Axa-Chef Henri de Castries. Und es gibt Henri Proglio. Der 57-Jährige ist zwar Chef von Veolia Environnement, dem größten Wasserversorger der Welt, der auch in der Müllentsorgung und im Transportgeschäft aktiv ist. Doch in der breiten Öffentlichkeit ist der Top-Manager weitgehend unbekannt.

Das ist in gewissen Maßen auch auf das Wesen des hageren Managers mit den markanten Gesichtszügen zurückzuführen. Denn der Veolia-Chef mag öffentliche Auftritte nicht. Heute wird er sich dem nicht entziehen können, denn Veolia lädt zur Hauptversammlung ein.

Eigentlich kann Proglio dem Aktionärstreffen entspannt entgegenblicken; die Quartalszahlen, die er im Gepäck hat, sind ordentlich; dank des jüngsten Zukaufs des deutschen Müllentsorgers Sulo hat Veolia sogar seine Jahresprognose heraufgesetzt: Statt zwischen acht und zehn Prozent sollen Gewinn und Umsatz in diesem Jahr um „mindestens“ zehn Prozent wachsen. Dennoch dürfte Proglio das Aktionärstreffen mit einigem Kribbeln im Bauch entgegensehen. Denn viele Privatanleger werden den langjährigen Veolia-Chef über seine Strategie-Pirouetten aus der jüngeren Vergangenheit befragen wollen.

Zweimal hat der Sohn einer italienischen Einwanderer-Familie im vergangenen Jahr versucht, das ganz große Rad zu drehen. Der persönliche Freund des scheidenden Staatspräsidenten Jacques Chirac hatte im Frühjahr 2006 ein politisches Erdbeben ausgelöst, als bekannt wurde, dass er sich mit dem italienischen Energie-Riesen Enel verbündet hatte, um den Wettbewerber Suez auseinander zu nehmen. Die Idee: Enel sollte die Strom-Aktivitäten bekommen, Veolia das internationale Wassergeschäft. Hektisch trieb die Regierung die Fusion zwischen Suez und der staatlichen Gaz de France voran, um das zu verhindern.

Nur wenige Wochen später schielte Proglio plötzlich in eine ganz andere Richtung: Im Juni machten die Führungsquerelen beim Bauriesen Vinci wochenlang Schlagzeilen. Der langjährige Vinci-Chef Antoine Zacharias wurde wegen seiner Geldgier geschasst. Die Führungsturbulenzen wollte Proglio nutzen, um eine Fusion mit Vinci zu initiieren. Die Börse reagierte geschockt und radierte ein Viertel der Marktkapitalisierung Veolias in einem Monat aus. Proglio ließ das Vorhaben fallen.

Anleger und Analysten sorgten sich darum, dass Proglio, der sein ganzes Berufsleben bei dem Wasserversorger gearbeitet hat, das Lebenswerk der Veolia-Sanierung aufs Spiel setzen würde. Proglio selbst beantwortet solche Vorwürfe stets stoisch: „Unsere Strategie hat sich über all die Jahre nicht verändert. Wenn sich Akquisitionsgelegenheiten präsentieren, schaue ich sie mir an.“ Ansonsten würde der Wasserriese weiterhin primär auf das organische Wachstum setzen. „Die Episode hat intern seiner Autorität nicht geschadet“, meint ein Konzernmanager. „Dazu ist er zu lange im Haus.“

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