Verbände
Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser wird 65

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, ist kein Hardliner. Auch deshalb ist er in TV-Talkshows nur selten zu Gast. Der Unternehmer, der im ostwestfälischen Vlotho einen Betrieb für Wäschereitechnik führt, gilt als Mann des Ausgleichs.

dpa FRANKFURT/BERLIN. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, ist kein Hardliner. Auch deshalb ist er in TV-Talkshows nur selten zu Gast. Der Unternehmer, der im ostwestfälischen Vlotho einen Betrieb für Wäschereitechnik führt, gilt als Mann des Ausgleichs.

Statt Konfrontation sucht der erfahrene Verhandler, der den Dachverband der regionalen Metall- Arbeitgeberverbände seit 2000 führt, lieber Kompromisse. An diesem Freitag (10. November) wird Kannegiesser 65 Jahre alt. Selbst an seinem runden Geburtstag wird er in seiner Firma arbeiten und am Abend zu einer Dienstreise ins Ausland aufbrechen.

Für das Spitzenamt bei Gesamtmetall hatte sich Kannegiesser im März 2000 mit dem Pilotabschluss für die Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen empfohlen. Völlig überraschend erzielte er als Chef des Metallarbeitgeberbandes NRW mit dem damaligen IG-Metall- Bezirksleiter Harald Schartau in einer „Nacht- und Nebelaktion“ eine Tarifeinigung, die auch eine weitgehenden Regelung zur Altersteilzeit umfasste. Damit war die von IG-Metall-Chef Klaus Zwickel geforderte „Rente mit 60“ vom Tisch. Gesamtmetall-Präsident Werner Stumpfe schlug ihn daraufhin als Nachfolger vor. Vor kurzem wurde Kannegiesser, der selbst bei der IG Metall hohes Ansehen genießt, für seine vierte Amtszeit bis Mitte 2008 wiedergewählt.

Im Gegensatz zu anderen Funktionären wirbt der Gesamtmetall-Chef unermüdlich für den Erhalt des Flächentarifs, der aber aus seiner Sicht mehr auf die Bedürfnisse der Betriebe zugeschnitten werden muss, um ihnen „Luft zum Atmen“ zu geben. „Wir müssen beides miteinander verbinden, Flächennormen und Betriebsnähe, sowohl mit als auch ohne Mitwirkung der Tarifparteien“, verlangt der Verbandspräsident. Unter seiner Regie gelangen erste Schritte in diese Richtung: Das „Pforzheimer Abkommen“ von 2004 ermöglicht es Metall- und Elektrobetrieben, unter bestimmten Voraussetzungen vom Flächentarif abzuweichen. In der Metall-Tarifrunde 2006 wurde erstmals eine Flexibilisierung der Einmalzahlungen in den Betrieben vereinbart.

Gleichzeitig fordert Kannegiesser, dessen Verband die umstrittene Lobbyorganisation „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ mit Millionenbeträgen finanziert, entschiedene Reformen in Deutschland. Von der großen Koalition ist das CDU-Mitglied in dieser Hinsicht enttäuscht. Es sei zwar vieles von der schwarz-roten Bundesregierung angefasst worden, „bislang ist aber außer Fingerabdrücken nichts zu erkennen“, äußerte er kürzlich in seiner gewohnt bedächtigen Art in einem Interview. Seine Gleichung lautet: „Ohne Sozialsysteme funktioniert die Marktwirtschaft nicht - und umgekehrt: Ohne Wirtschaft funktionieren die Sozialsysteme nicht.“

Sein Unternehmen - die „Herbert Kannegiesser Gmbh“ - hält Kannegiesser, der in Posen im heutigen Polen geboren wurde, mehr auf Trab als die Verbandsarbeit. Nach der Flucht der Familie vor der russischen Armee gründete Vater Herbert in Vlotho eine kleine Firma für Hemden-Bügelmaschinen. Sohn Martin stieg 1966 nach dem Studium der Betriebs- und Volkswirtschaft in die elterliche Firma ein und übernahm 1970 die Unternehmensführung. Der Firmenchef baute das Unternehmen zu einem von zwei Weltmarktführern aus, der alles von der Waschschleuder über Waschstraßen bis zu Logistikdienstleistungen anbietet. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1 100 Menschen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 190 Mill. Euro. Kannegiesser ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter, die ebenfalls in der Firma arbeitet.

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