Verband der Auslandsbanken
Bank-Diplomaten im Doppelpack

Als siamesische Zwillinge gehen sie nicht durch. Dafür sehen sie zu unterschiedlich aus, ist ihr Temperament zu verschieden. Und bei der gleichen Bank arbeiten die beiden ebenfalls nicht. Doch die Chemie stimmt. Und in ihrem neuen Nebenjob wollen sie sich die Bälle gegenseitig zuwerfen

FRANKFURT. Stefan Winter, der frisch gebackene Vorstandschef der Auslandsbanken in Deutschland und Joachim von Schorlemer, sein Stellvertreter. Beide haben bei der Wahl am Donnerstag keine Gegenstimme hinnehmen müssen. Wie auch? Sie sind in der Finanzcommunity und in Berlin hoch geschätzte Banker, und um Ehrenämter reißt sich in diesen Tagen ohnehin niemand.

Das weiß auch der 54-Jährige Winter, dessen Aussehen ihn überall auf der Welt als Investmentbanker zu erkennen gibt. In feinem dunklen Tuch, mit weißem Hemd und weißem Einstecktuch, begleitet von blauer Krawatte, fein-brauner Hornbrille und nach hinten gekämmten und gegelten schwarzen Haaren. Eben ganz Investmentbanker und einer der Top-Leute der Schweizer UBS in Deutschland, wo er als Vorstandsmitglied agiert und gleichzeitig als Country Head Germany für den Unternehmensbereich UBS Investment Bank verantwortlich ist, wie die Angelsachsen Winters Position bezeichnen.

Auf der anderen Seite der 52-Jährige Joachim von Schorlemer. Nicht, dass bei ihm keine bankertypischen Merkmale durchscheinen würden. Dreißig Jahre im Bankgeschäft kann niemand verleugnen. Doch von Schorlemer hat etwas Leichteres an sich. Vielleicht hängt das auch mit seinem Job als Deutschland-Chef von BNP Paribas zusammen, mit dem französischen savoir vivre, den schönen Seiten des Lebens, die so ganz untypisch deutsch sind und die man gerne allem und jedem, der etwas mit Frankreich zu tun hat, zu- und andichtet.

Sicher ist, von all diesen Eigenschaften werden die beiden Banker etwas brauchen. Benötigen, um den Reputationsschaden zu reparieren, den die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers samt Chaos und Ärger hinterlassen haben bei Privatanlegern, die auf Lehman-Zertifikate als Derivate des kleinen Mannes gesetzt hatten und am Ende leer ausgingen.

UBS-Banker Winter schmerzt das. Er hofft, dass die Auswirkungen kurzfristig sind. Denn die Rolle der Auslandsbanken in Deutschland bleibt wichtig, Das sagt auch Bundesbank-Chef Axel Weber, der ihnen auf der gestrigen Mitgliederversammlung eine wichtige Rolle in schwierigen Zeiten zubilligte und die derzeitige Situation mit der Bundesliga verglich: Auch hier gebe es Spieler mit ausländischem Pass, die nicht wegzudenken seien und die Qualität der Liga erhöhten. Bei allem Lob. die Auslandsbanken werden ihre Mitarbeiter sicherlich nicht alle halten – immerhin 30 000. Schon im vergangenen Jahr schrumpfte ihre Zahl in den knapp 200 Mitgliedsinstituten um rund fünf Prozent. „Ich befürchte allerdings, dass das dieses Jahr nicht zu halten ist“, sagt Winter, der sein BWL-Studium als Tennistrainer finanzierte.

Gefragt ist in diesen Tagen vor allem der enge Kontakt zur Politik, wenn es um regulatorische Fragen geht und die tauchen verstärkt auf. Oder die Gefahr abgewendet werden muss, dass ausländische Institute schlechter gestellt werden als heimische – etwa bei Derivaten. Als geschätzter Berater des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung etwa in Sachen Bad Bank, in der toxische Wertpapiere ausgegliedert werden, ist Winter bestens verdrahtet in Berlin. Und die Rolle von BNP Paribas weltweit und damit auch die ihres Chefs von Schorlemer in Deutschland wird immer wichtiger. Das ist in der Politik zu hören.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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